krankheiten:encephalitozoonose
Unterschiede
Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.
| Beide Seiten der vorigen RevisionVorhergehende ÜberarbeitungNächste Überarbeitung | Vorhergehende Überarbeitung | ||
| krankheiten:encephalitozoonose [2026/01/16 09:39] – [Pathophysiologie] kathrin | krankheiten:encephalitozoonose [2026/01/17 20:31] (aktuell) – [Zoonotisches Potenzial] kathrin | ||
|---|---|---|---|
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
| ====== Encephalitozoonose ====== | ====== Encephalitozoonose ====== | ||
| - | |||
| - | (in Arbeit) | ||
| ===== Allgemeines ===== | ===== Allgemeines ===== | ||
| Zeile 12: | Zeile 10: | ||
| Das Wort „encephalo“ bedeutet im Griechischen das Gehirn; „Zoonose“ bezeichnet eine Erkrankung, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden kann. | Das Wort „encephalo“ bedeutet im Griechischen das Gehirn; „Zoonose“ bezeichnet eine Erkrankung, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden kann. | ||
| - | Die Erbinformation des //" | + | Die Erbinformation des //" |
| - | Bislang wurden vier verschiedene Stämme (Genotypen) isoliert, deren Bezeichnungen zwar eine Wirtspräferenz zum Ausdruck bringen, die jedoch nicht streng spezifisch sind: Stamm I („// | + | |
| + | Bislang wurden vier verschiedene Stämme (Genotypen) isoliert, deren Bezeichnungen zwar eine Wirtspräferenz zum Ausdruck bringen, die jedoch nicht streng spezifisch sind: Stamm I („// | ||
| + | Bei Kaninchen ist Genotyp I am häufigsten zu finden; aber auch Genotyp II((Valencakova, | ||
| Klinische Manifestationen beim Menschen treten vorwiegend bei immungeschwächten Personen auf, z.B. bei Patienten mit HIV-Infektion.((Han, | Klinische Manifestationen beim Menschen treten vorwiegend bei immungeschwächten Personen auf, z.B. bei Patienten mit HIV-Infektion.((Han, | ||
| Zeile 23: | Zeile 23: | ||
| < | < | ||
| - | Nur im Sporen-Stadium (Abbildung 1) sind Mikrosporidien außerhalb einer Wirtszelle lebensfähig.((Keeling, P. J., & Fast, N. M. 2002. Microsporidia: | + | Mikrosporidien können außerhalb einer Wirtszelle nur im Sporen-Stadium (Abbildung 1) überdauern.((Keeling, P. J., & Fast, N. M. 2002. Microsporidia: |
| - | Nach der Aufnahme infizieren //E. cuniculi// | + | Nach der Aufnahme infizieren //E. cuniculi// |
| ((Vivarès, C. P., & Méténier, G. 2001. The microsporidian encephalitozoon. Bioessays, 23(2), 194-202.))((Keeling, | ((Vivarès, C. P., & Méténier, G. 2001. The microsporidian encephalitozoon. Bioessays, 23(2), 194-202.))((Keeling, | ||
| Zeile 302: | Zeile 302: | ||
| Doboși //et al//., 2024b((Doboși, | Doboși //et al//., 2024b((Doboși, | ||
| - | Doboși //et al//., 2025((Doboși, | + | Doboși //et al//., 2025((Doboși, |
| - | Bei 6 von 381 Kaninchen wurden alle der zuvor genannten diagnostischen Tests durchgeführt (Tabelle 5). | + | Bei 6 von 381 Kaninchen |
| **Tabelle 5:** Kaninchen, die mit allen der verwendeten Testmethoden auf //E. cuniculi// getestet wurden und ihre Ergebnisse (n = 6); Doboși //et al//., 2025 | **Tabelle 5:** Kaninchen, die mit allen der verwendeten Testmethoden auf //E. cuniculi// getestet wurden und ihre Ergebnisse (n = 6); Doboși //et al//., 2025 | ||
| Zeile 327: | Zeile 327: | ||
| Bei erwachsenen Tieren (>4 Monate) war die Seroprävalenz höher, während bei Jungtieren (≤4 Monate) die Prävalenz mit molekularen Methoden höher war. Diese Beobachtung ließe sich durch das Verschwinden mütterlicher Antikörper in der Zeit der " | Bei erwachsenen Tieren (>4 Monate) war die Seroprävalenz höher, während bei Jungtieren (≤4 Monate) die Prävalenz mit molekularen Methoden höher war. Diese Beobachtung ließe sich durch das Verschwinden mütterlicher Antikörper in der Zeit der " | ||
| - | Duangurai //et al//., 2025((Duangurai, | + | Duangurai //et al//., 2025((Duangurai, |
| ===== Vorkommen ===== | ===== Vorkommen ===== | ||
| Zeile 378: | Zeile 378: | ||
| 50 Kaninchen (52 %) waren seropositiv. Es gab keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Seropositivität und: Alter, Rasse, Herkunft (Praxis), Geschlecht, Kastrationsstatus, | 50 Kaninchen (52 %) waren seropositiv. Es gab keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Seropositivität und: Alter, Rasse, Herkunft (Praxis), Geschlecht, Kastrationsstatus, | ||
| - | Künzel //et al//., 2008((Künzel, | + | Künzel //et al//., 2008((Künzel, |
| - | Durchgeführte | + | |
| + | Untersuchungen: | ||
| 184 Serumproben wurden auf das Vorhandensein spezifischer Antikörper gegen //E. cuniculi// getestet, 157 außerdem auf Antikörper gegen //T. gondii// (IFAT). Zusätzlich wurden 54 Kaninchen, die keine Symptome einer Enzephalitozoonose aufwiesen, auf //E. cuniculi// getestet. 40 dieser 54 Tiere wurden im Rahmen einer Gesundheitsuntersuchung getestet; 14 Tiere wurden getestet, weil sie in engem Kontakt zu Kaninchen mit einer bestätigten //E. cuniculi// | 184 Serumproben wurden auf das Vorhandensein spezifischer Antikörper gegen //E. cuniculi// getestet, 157 außerdem auf Antikörper gegen //T. gondii// (IFAT). Zusätzlich wurden 54 Kaninchen, die keine Symptome einer Enzephalitozoonose aufwiesen, auf //E. cuniculi// getestet. 40 dieser 54 Tiere wurden im Rahmen einer Gesundheitsuntersuchung getestet; 14 Tiere wurden getestet, weil sie in engem Kontakt zu Kaninchen mit einer bestätigten //E. cuniculi// | ||
| - | Bei neurologischen Symptomen (n = 69) wurde eine otoskopische Untersuchung des äußeren Gehörgangs durchgeführt und, wenn möglich, auch die Paukenhöhle (n = 65) röntgenologisch untersucht. Bei Kaninchen mit Anzeichen einer phakoklastischen Uveitis wurde eine vollständige ophthalmologische Untersuchung durchgeführt. 45 Kaninchen, die verstarben oder eingeschläfert werden mussten, wurden einer Obduktion unterzogen. Weiters wurden Proben von Urin (n = 32), Liquor (n = 12) und Linsenmaterial (n = 5) entnommen und mittels PCR auf //E. cuniculi// | + | Bei neurologischen Symptomen (n = 69) wurde eine otoskopische Untersuchung des äußeren Gehörgangs durchgeführt und, wenn möglich, auch die Paukenhöhle (n = 65) röntgenologisch untersucht. Bei Kaninchen mit Anzeichen einer phakoklastischen Uveitis wurde eine vollständige ophthalmologische Untersuchung durchgeführt. 45 Kaninchen, die verstarben oder eingeschläfert werden mussten, wurden einer Obduktion unterzogen. Weiters wurden Proben von Urin (n = 32), Liquor (n = 12) und Linsenmaterial (n = 5) entnommen und mittels PCR auf //E. cuniculi// |
| + | |||
| Ergebnisse :\\ | Ergebnisse :\\ | ||
| 144 (78,3 %) von 184 Kaninchen mit Symptomen einer Enzephalitozoonose wurden positiv auf Antikörper gegen E. cuniculi getestet.\\ | 144 (78,3 %) von 184 Kaninchen mit Symptomen einer Enzephalitozoonose wurden positiv auf Antikörper gegen E. cuniculi getestet.\\ | ||
| Zeile 408: | Zeile 410: | ||
| Tee //et al//., 2011((Tee, K. Y., Kao, J. P., Chiu, H. Y., Chang, M. H., Wang, J. H., Tung, K. C., ... & Wu, J. T. 2011. Serological survey for antibodies to Encephalitozoon cuniculi in rabbits in Taiwan. Veterinary parasitology, | Tee //et al//., 2011((Tee, K. Y., Kao, J. P., Chiu, H. Y., Chang, M. H., Wang, J. H., Tung, K. C., ... & Wu, J. T. 2011. Serological survey for antibodies to Encephalitozoon cuniculi in rabbits in Taiwan. Veterinary parasitology, | ||
| Der CIA-Test wies in 108 der 171 (63,2%) Blutproben Antikörper nach, während das mit ELISA erzielte Ergebnis bei 67,8% (116/171) lag. Symptomatische Kaninchen (15/16; 93,8%) waren im Vergleich zu asymptomatischen auffallend häufiger seropositiv. Signifikante Unterschiede wurden zwischen geografischen Standorten sowie Altersgruppen (jünger oder älter als 4 Monate, 20% vs. 67,1%) beobachtet. Letztere könnten von einer erworbenen Immunität [((Lyngset, A. 1980. A survey of serum antibodies to Encephalitozoon cuniculi in breeding rabbits and their young. Laboratory Animal Science, 30(3), 558-561.))] oder taiwanesischen Marktmechanismen beeinflusst sein. | Der CIA-Test wies in 108 der 171 (63,2%) Blutproben Antikörper nach, während das mit ELISA erzielte Ergebnis bei 67,8% (116/171) lag. Symptomatische Kaninchen (15/16; 93,8%) waren im Vergleich zu asymptomatischen auffallend häufiger seropositiv. Signifikante Unterschiede wurden zwischen geografischen Standorten sowie Altersgruppen (jünger oder älter als 4 Monate, 20% vs. 67,1%) beobachtet. Letztere könnten von einer erworbenen Immunität [((Lyngset, A. 1980. A survey of serum antibodies to Encephalitozoon cuniculi in breeding rabbits and their young. Laboratory Animal Science, 30(3), 558-561.))] oder taiwanesischen Marktmechanismen beeinflusst sein. | ||
| + | |||
| + | Kimura //et al//., 2013((Kimura, | ||
| [Hein // et al//., 2014((Hein, J., Flock, U., Sauter‐Louis, | [Hein // et al//., 2014((Hein, J., Flock, U., Sauter‐Louis, | ||
| Eine Untersuchung von 186 Kaninchen in Korea (// | Eine Untersuchung von 186 Kaninchen in Korea (// | ||
| + | |||
| + | Bártová //et al//., 2015((Bártová, | ||
| Levytska //et al//., 2017((Levytska, | Levytska //et al//., 2017((Levytska, | ||
| Zeile 510: | Zeile 516: | ||
| Möglichkeiten zur Behandlung einer Enzephalitozoonose werden z.B. in den folgenden Arbeiten beschrieben: | Möglichkeiten zur Behandlung einer Enzephalitozoonose werden z.B. in den folgenden Arbeiten beschrieben: | ||
| - | [Ewringmann & Göbel, 1999((Ewringmann, | + | [Ewringmann & Göbel, 1999((Ewringmann, |
| + | Harcourt-Brown & Holloway, 2003((Harcourt‐Brown, | ||
| "// | "// | ||
| Zeile 520: | Zeile 527: | ||
| Bei Menschen mit AIDS (//Acquired Immune Deficiency Syndrome//) sind die Mikrosporidien // | Bei Menschen mit AIDS (//Acquired Immune Deficiency Syndrome//) sind die Mikrosporidien // | ||
| - | Immunkompetente Tiere erhöhen nicht zwingend das Risiko einer Infektion des Menschen. Denn Mikrosporidien könnten den Verdauungstrakt eines immunkompetenten Wirts passieren, ohne diesen zu infizieren, also ohne sich zu vermehren.((Vergneau-Grosset, | + | Immunkompetente Tiere erhöhen nicht zwingend das Risiko einer Infektion des Menschen. Denn Mikrosporidien könnten den Verdauungstrakt eines immunkompetenten Wirts passieren, ohne diesen zu infizieren, also ohne sich zu vermehren.((Csokai, J. 2015. Kopfschiefhaltung–Encephalitozoonose? |
| Zum Umgang mit //E. cuniculi// | Zum Umgang mit //E. cuniculi// | ||
| "// | "// | ||
| + | |||
| + | Hinney //et al//., 2016((Hinney, | ||
| + | (Übersetzung: | ||
| **Der größte Risikofaktor für eine durch Mikrosporidien bedingte Erkrankung ist eine geschwächte zellvermittelte Immunität** (insbesondere bei HIV-Infektion, | **Der größte Risikofaktor für eine durch Mikrosporidien bedingte Erkrankung ist eine geschwächte zellvermittelte Immunität** (insbesondere bei HIV-Infektion, | ||
krankheiten/encephalitozoonose.1768552777.txt.gz · Zuletzt geändert: von kathrin
