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krankheiten:kokzidiose

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krankheiten:kokzidiose [2025/12/03 08:34] – [Diagnose] kathrinkrankheiten:kokzidiose [2025/12/04 08:38] (aktuell) – [Ernährung] kathrin
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 Kokzidiose wird durch parasitäre Sporentierchen (Protozoen) ausgelöst, die zur Gattung //Eimeria// gehören. Je nach den verschiedenen Eimeriaarten als Erreger und dem befallenen Organ wird zwischen Gallengangskokzidiose (auch Leberkokzidiose) und Darmkokzidiose unterschieden. Bei Kokzidiose handelt es sich um eine parasitäre Erkrankung, von der überwiegend Jungtiere im Alter von 4-6 Wochen betroffen sind, seltener erwachsene Tiere. Kokzidiose wird durch parasitäre Sporentierchen (Protozoen) ausgelöst, die zur Gattung //Eimeria// gehören. Je nach den verschiedenen Eimeriaarten als Erreger und dem befallenen Organ wird zwischen Gallengangskokzidiose (auch Leberkokzidiose) und Darmkokzidiose unterschieden. Bei Kokzidiose handelt es sich um eine parasitäre Erkrankung, von der überwiegend Jungtiere im Alter von 4-6 Wochen betroffen sind, seltener erwachsene Tiere.
  
-90% der Hauskaninchen können als Parasitenträger angesehen werden, wobei es sich überwiegend um Erreger der Darmkokzidiose handelt. 66-86% der Wildkaninchen sind mit Kokzidien infiziert, Feldhasen mit etwa 70-80%.((Kötsche, W. 1990. Krankheiten der Kaninchen und Hasen. 4. Aufl. Jena: Fischer. ISBN 3-334-00295-0.))((Hora, F. S.; Mederle, N.; Badea, C.; Tilibasa, E. M.; Ilie, M. S.; Darabus, G. 2014. Digestive Parasite Fauna in Hare (Lepus europaeus) in Western Romania. Scientific Works. Series C. Veterinary Medicine. Vol. LXI (1). 138-141.)) Wildkaninchen und Feldhasen beherbergen aber jeweils eigene Eimerienarten und eine wechselseitige Übertragung ist nicht möglich. Nach Coudert //et al//., 1979((Coudert, P.; Licois, D.; Streun, A. 1979. Characterization of Eimeria Species. I. Isolation and Study of Pathogenicity of a Pure Strain of Eimeria perforans (Leuckart, 1879; Sluiter and Swellengrcbel, 1912). Z. Parasitenkd. 59, 227-234.)) und Licois, 2004 ((Licois, D. 2004. Domestic rabbit enteropathies. Proc.: 8th World Rabbit Congress, Puebla, Mexico. 385-403.)) gibt es, außer in Forschungslaboren, keine kokzidienfreien Hauskaninchen, wobei es sich bei 80-100% um einen Befall mit verschiedenen Eimeriaarten handelt. +90% der [[:hauskaninchen|Hauskaninchen]] können als Parasitenträger angesehen werden, wobei es sich überwiegend um Erreger der Darmkokzidiose handelt. 66-86% der [[wildkaninchen:wildkaninchen|Wildkaninchen]] sind mit Kokzidien infiziert, [[feldhase:feldhase|Feldhasen]] mit etwa 70-80%.((Kötsche, W. 1990. Krankheiten der Kaninchen und Hasen. 4. Aufl. Jena: Fischer. ISBN 3-334-00295-0.))((Hora, F. S.; Mederle, N.; Badea, C.; Tilibasa, E. M.; Ilie, M. S.; Darabus, G. 2014. Digestive Parasite Fauna in Hare (Lepus europaeus) in Western Romania. Scientific Works. Series C. Veterinary Medicine. Vol. LXI (1). 138-141.)) Wildkaninchen und Feldhasen beherbergen aber jeweils eigene Eimerienarten und eine wechselseitige Übertragung ist nicht möglich. Nach Coudert //et al//., 1979((Coudert, P.; Licois, D.; Streun, A. 1979. Characterization of Eimeria Species. I. Isolation and Study of Pathogenicity of a Pure Strain of Eimeria perforans (Leuckart, 1879; Sluiter and Swellengrcbel, 1912). Z. Parasitenkd. 59, 227-234.)) und Licois, 2004 ((Licois, D. 2004. Domestic rabbit enteropathies. Proc.: 8th World Rabbit Congress, Puebla, Mexico. 385-403.)) gibt es, außer in Forschungslaboren, keine kokzidienfreien Hauskaninchen, wobei es sich bei 80-100% um einen Befall mit verschiedenen Eimeriaarten handelt. 
  
 Auf Grund der Überlebensfähigkeit der Oozysten bilden für Wildkaninchen besonders feuchte Jahreszeiten oder feuchte Jahre ein Problem, wie unterschiedliche Infektionsraten zeigen. Auf Grund der Überlebensfähigkeit der Oozysten bilden für Wildkaninchen besonders feuchte Jahreszeiten oder feuchte Jahre ein Problem, wie unterschiedliche Infektionsraten zeigen.
  
-Kokzidiose ist eine multifaktorielle Erkrankung. Das heißt, dass ein Befall mit einem Erreger allein die Erkrankung nicht auslöst. So gibt es zum Beispiel keine Korrelation zwischen Ausscheidung von Oozysten und einer Erkrankung: bei einer maximal möglichen Ausscheidung von 1-2 x 10<sup>8</sup> Oozysten von //E. flavescens// wurde keinerlei Anzeichen einer Erkrankung festgestellt((Pakandl, M. 2009. Coccidia of rabbit: a review. Folia Parasitologica 56(3). 153-166.)). Kokzidiose wird wahrscheinlich erst zu einer bedrohlichen Erkrankung, wenn gleichzeitig pathogene Colibakterien im Darm vorhanden sind. Zweifel an der allgemeinen Auffassung der obligaten Pathogenität von Darmkokzidien für Jungkaninchen ließen z. B. Untersuchungen aufkommen, die von Dorn((Dorn, F. K. 1973. Rassekaninchenzucht: ein Handbuch für Züchter, Zuchtrichter und Studierende. 3. Aufl.  Melsungen [u.a.]: Verl. Neumann-Neudamm.)) bestätigt wurden. So traten selbst bei einem mittelstarkem Kokzidienbefall hohe Verluste unter Jungtieren auf, die mit bakteriologisch nachgewiesenen Coli-Infektionen einherging, was auf ein Zusammenwirken von Kokzidien und Colikeimen hinwies. +Kokzidiose ist eine multifaktorielle Erkrankung. Das heißt, dass ein Befall mit einem Erreger allein die Erkrankung nicht auslöst. So gibt es zum Beispiel keine Korrelation zwischen Ausscheidung von Oozysten und einer Erkrankung: bei einer maximal möglichen Ausscheidung von 1-2 x 10<sup>8</sup> Oozysten von //E. flavescens// wurde keinerlei Anzeichen einer Erkrankung festgestellt((Pakandl, M. 2009. Coccidia of rabbit: a review. Folia Parasitologica 56(3). 153-166.)). Lohkamp //et al//., 2024((Lohkamp, F., Hankel, J., Beineke, A., Kamphues, J., & Strube, C. 2024. A field study evaluating the effects of diclazuril and oregano oil for the prevention of coccidiosis in fattening rabbits. Parasitologia, 4(1), 47-60.)) bestätigten, dass die Oozystenausscheidung nicht mit der Mortalität bei Mastkaninchen korreliert.\\ Kokzidiose wird wahrscheinlich erst zu einer bedrohlichen Erkrankung, wenn gleichzeitig pathogene Colibakterien im Darm vorhanden sind. Zweifel an der allgemeinen Auffassung der obligaten Pathogenität von Darmkokzidien für Jungkaninchen ließen z. B. Untersuchungen aufkommen, die von Dorn((Dorn, F. K. 1973. Rassekaninchenzucht: ein Handbuch für Züchter, Zuchtrichter und Studierende. 3. Aufl.  Melsungen [u.a.]: Verl. Neumann-Neudamm.)) bestätigt wurden. So traten selbst bei einem mittelstarkem Kokzidienbefall hohe Verluste unter Jungtieren auf, die mit bakteriologisch nachgewiesenen Coli-Infektionen einherging, was auf ein Zusammenwirken von Kokzidien und Colikeimen hinwies. 
  
 Das heißt, dass in der Regel verschiedene Faktoren eine Rolle spielen können, die zur Erkrankung an Kokzidiose führen. Das heißt, dass in der Regel verschiedene Faktoren eine Rolle spielen können, die zur Erkrankung an Kokzidiose führen.
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   * [[allgemeines:stress|Stress]] (Ortswechsel, Lärm, Änderungen in der Gruppe);   * [[allgemeines:stress|Stress]] (Ortswechsel, Lärm, Änderungen in der Gruppe);
   * Erkrankungen;   * Erkrankungen;
-  * Nährstoffmangel (essentielle [[naehrstoffe:aminosaeuren|Amino]]- und/oder [[naehrstoffe:fett#fettsaeuren|Fettsäuren]]);+  * Nährstoffmangel (essentielle [[naehrstoffe:aminosaeuren|Amino]]- und/oder [[naehrstoffe:fettsaeuren|Fettsäuren]]);
   * Mangel an Futtermenge und -struktur;   * Mangel an Futtermenge und -struktur;
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 === Exogen === === Exogen ===
-Bei Anwesenheit von Sauerstoff und Feuchtigkeit werden die ausgeschiedenen Oozysten im Freien (exogen) keimfähig. Dieser Vorgang wird "Sporulation" genannt und bedeutet, dass sie infektionsfähig werden. In Abhängigkeit von der Temperatur und der Eimeriaart geschieht das in 24 bis 72  Stunden. Vor Umwelteinflüssen geschützt werden sie durch eine dreischichtige Kapsel, die sie vor allem gegen chemische Einflüsse schützt. Unter günstigen Umständen können Oozysten bis zu 6 Jahre virulent (ansteckungsfähig) bleiben. Relativ empfindlich sind sie dagegen für Hitze und Trockenheit. Insbesondere direkte Sonneneinstrahlung lässt sie in Stunden absterben. Aussagen über die Kälteempfindlichkeit sind widersprüchlich, aber offenbar bleiben Ooyzysten selbst nach mehrwöchigen Perioden von Minusgraden infektionsfähig((Kötsche, W. 1990. Krankheiten der Kaninchen und Hasen. 4. Aufl. Jena: Fischer. ISBN 3-334-00295-0.)).+Bei Anwesenheit von Sauerstoff und Feuchtigkeit werden die ausgeschiedenen Oozysten im Freien (exogen) keimfähig. Dieser Vorgang wird "Sporulation" genannt und bedeutet, dass sie infektionsfähig werden. In Abhängigkeit von der Temperatur und der Eimeriaart geschieht das in 24 bis 72  Stunden. Eine dreischichtige Kapsel schützt sie vor Umwelteinflüssen, vor allem chemische Einflüsse. Unter günstigen Umständen können Oozysten bis zu 6 Jahre virulent (ansteckungsfähig) bleiben. Relativ empfindlich sind sie dagegen für Hitze und Trockenheit. Insbesondere direkte Sonneneinstrahlung lässt sie in Stunden absterben. Aussagen über die Kälteempfindlichkeit sind widersprüchlich, aber offenbar bleiben Ooyzysten selbst nach mehrwöchigen Perioden von Minusgraden infektionsfähig((Kötsche, W. 1990. Krankheiten der Kaninchen und Hasen. 4. Aufl. Jena: Fischer. ISBN 3-334-00295-0.)).
  
 Aus einer Oozyste können sich für die meisten Eimeriaarten 10<sup>6</sup> bzw. 1.000.000 Oozysten entwickeln. Ein Kaninchen ist in der Lage, beispielsweise von //E. intestinalis//, also einer hoch pathogen Form, 10<sup>9</sup> bzw. 1 x 1.000.000.000 Oozysten zu produzieren. Aus einer Oozyste können sich für die meisten Eimeriaarten 10<sup>6</sup> bzw. 1.000.000 Oozysten entwickeln. Ein Kaninchen ist in der Lage, beispielsweise von //E. intestinalis//, also einer hoch pathogen Form, 10<sup>9</sup> bzw. 1 x 1.000.000.000 Oozysten zu produzieren.
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 ===== Prophylaxe ===== ===== Prophylaxe =====
 ==== Ernährung ==== ==== Ernährung ====
-Die Änderung der Infektionsempfindlichkeit des Kaninchens kann sich auf bestehende Infektionen sowie den Ausbruch neuer oder erneuter Infektionen auswirken: eine gute Ernährung lässt die Auswirkungen einer Infektion oft unerheblich erscheinen, während Mangelernährung mit Proteinen, Mineralstoffen und Vitaminen die Auswirkungen der Krankheit verschlimmert.+Die Änderung der Infektionsempfindlichkeit des Kaninchens kann sich auf bestehende Infektionen sowie den Ausbruch neuer oder erneuter Infektionen auswirken: eine gute Ernährung lässt die Auswirkungen einer Infektion oft unerheblich erscheinen, während Mangelernährung mit [[naehrstoffe:protein|Proteinen]][[:mineralstoffe|Mineralstoffen]] und [[wirkstoffe:vitamine:vitamine|Vitaminen]] die Auswirkungen der Krankheit verschlimmert.
  
 Immunität behindert das Eindringen des Erregers in die Darmschleimhaut, das Erreichen eines Zielorgans sowie die Vermehrung und reduziert, verlangsamt oder verhindert Krankheitssymptome. Zudem können bestehende Infektionen nach Ausbildung einer Immunität verringert oder ausgeheilt werden (zum Beispiel //E. intestinalis//). Immunität behindert das Eindringen des Erregers in die Darmschleimhaut, das Erreichen eines Zielorgans sowie die Vermehrung und reduziert, verlangsamt oder verhindert Krankheitssymptome. Zudem können bestehende Infektionen nach Ausbildung einer Immunität verringert oder ausgeheilt werden (zum Beispiel //E. intestinalis//).
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 In der Fütterung können frisch gequetschter [[:hafer|Hafer/Haferflocken]], [[:lein|Leinsamen]], [[:eiche|Eichenzweige]] mit Blättern, [[:brombeere|Brombeerzweigen]] mit Blättern, [[:heidelbeere|Heidelbeerpflanzen]], getrocknete [[:kamille|Kamillenblüten]], [[:petersilie|Petersilie]] (mit Wurzeln), [[:pfefferminze|Pfefferminze]], [[:thymian|Thymian]], [[:wermut|Wermut]], [[:schafgarbe|Schafgarbe]], [[:brennnessel|Brennnessel]], [[:wein|Weinrebenblätter]], [[:loewenzahn|Löwenzahn]] uvm. eingesetzt werden. In der Fütterung können frisch gequetschter [[:hafer|Hafer/Haferflocken]], [[:lein|Leinsamen]], [[:eiche|Eichenzweige]] mit Blättern, [[:brombeere|Brombeerzweigen]] mit Blättern, [[:heidelbeere|Heidelbeerpflanzen]], getrocknete [[:kamille|Kamillenblüten]], [[:petersilie|Petersilie]] (mit Wurzeln), [[:pfefferminze|Pfefferminze]], [[:thymian|Thymian]], [[:wermut|Wermut]], [[:schafgarbe|Schafgarbe]], [[:brennnessel|Brennnessel]], [[:wein|Weinrebenblätter]], [[:loewenzahn|Löwenzahn]] uvm. eingesetzt werden.
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 +In der Feldstudie von Lohkamp //et al//., 2024((Lohkamp, F., Hankel, J., Beineke, A., Kamphues, J., & Strube, C. 2024. A field study evaluating the effects of diclazuril and oregano oil for the prevention of coccidiosis in fattening rabbits. Parasitologia, 4(1), 47-60.)) mit insgesamt 450 Mastkaninchen wurden Auswirkungen von Futtermitteln -- (i) ohne Kokzidiostatikum, (ii) mit zugesetztem Diclazuril oder (iii) mit zugesetztem Oreganoöl -- auf die Ausscheidung von Eimeria-Oozysten und die Gesundheit untersucht. In den Mastperioden von jeweils 41 Tagen konnten zu keinem Zeitpunkt signifikante Unterschiede zwischen den Versuchsgruppen festgestellt werden. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass in Abwesenheit hochpathogener Eimeria-Arten ein Verzicht auf Kokzidiostatika (bei Mastkaninchen) ohne negative Auswirkungen auf die Tiergesundheit möglich ist.\\ Die Autoren betonten die grundlegende Bedeutung der Haltungsbedingungen ([[krankheiten:kokzidiose#Reinigung|Hygiene]], [[krankheiten:kokzidiose#haltung|Stress]]).
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 ==== Reinigung ==== ==== Reinigung ====
krankheiten/kokzidiose.1764747287.txt.gz · Zuletzt geändert: von kathrin

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