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krankheiten:krankheiten

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 |Wirbelsäule, Deformationen|30|18,0| |Wirbelsäule, Deformationen|30|18,0|
 |Hautkrankheiten|28|16,8| |Hautkrankheiten|28|16,8|
-|Wirbelsäule, degenrative Läsionen|26|15,6|+|Wirbelsäule, degenerative Läsionen|26|15,6|
 |Andere|16|9,6| |Andere|16|9,6|
 |Augenerkrankungen|12|7,2| |Augenerkrankungen|12|7,2|
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 Die Prävalenz von Anomalien war bei älteren Kaninchen signifikant höher als bei jüngeren; insgesamt 82,3 % (n=51) der Kaninchen, die älter als drei Jahre waren, wiesen Befunde bei der körperlichen oder röntgenologischen Untersuchung auf. Die Autoren stellten fest, dass die durchschnittliche Lebenserwartung von Kaninchen in den letzten Jahren gestiegen sei und es wäre nicht ungewöhnlich, Kaninchen im Alter von über 10 Jahren anzutreffen, insbesondere bei mittelgroßen Kaninchen. Mittelgroße Kaninchen könnten im Alter von sieben Jahren als geriatrisch angesehen werden, aber Zwerg- und Riesenrassen wiesen eine kürzere Lebenserwartung auf. Geriatrische Erkrankungen können bei diesen Rassen bereits im Alter von vier bis fünf Jahren auftreten. Die Prävalenz von Anomalien war bei älteren Kaninchen signifikant höher als bei jüngeren; insgesamt 82,3 % (n=51) der Kaninchen, die älter als drei Jahre waren, wiesen Befunde bei der körperlichen oder röntgenologischen Untersuchung auf. Die Autoren stellten fest, dass die durchschnittliche Lebenserwartung von Kaninchen in den letzten Jahren gestiegen sei und es wäre nicht ungewöhnlich, Kaninchen im Alter von über 10 Jahren anzutreffen, insbesondere bei mittelgroßen Kaninchen. Mittelgroße Kaninchen könnten im Alter von sieben Jahren als geriatrisch angesehen werden, aber Zwerg- und Riesenrassen wiesen eine kürzere Lebenserwartung auf. Geriatrische Erkrankungen können bei diesen Rassen bereits im Alter von vier bis fünf Jahren auftreten.
 ==== O'Neill et al., 2020 ==== ==== O'Neill et al., 2020 ====
-Die Grundgesamtheit einer Querschnittsstudie von O'Neill et al., 2020((O'Neill, D. G., Craven, H. C., Brodbelt, D. C., Church, D. B., & Hedley, J. 2020. Morbidity and mortality of domestic rabbits (Oryctolagus cuniculus) under primary veterinary care in England. Veterinary Record, 186(14), 451-451.)) umfasste anonymisierte klinische Aufzeichnungen von 6.349 Kaninchen, die an 107 englischen Kliniken für eine tierärztliche Versorgung vorgestellt wurden. Die Prävalenz wurde anhand einer Zufallsstichprobe von Kaninchen aus der gesamten Studienpopulation geschätzt. Eine A-priori-Stichprobenberechnung ergab, dass mindestens 2.356 Kaninchen hätten beprobt werden müssten, um eine Erkrankung mit einer erwarteten Prävalenz von mindestens 2,5 % mit einer Genauigkeit von 0,5 % und einem 95-prozentigen Konfidenzniveau aus einer Studienpopulation von 6.349 Kaninchen zu repräsentieren. Die Stichprobe enthielt 2.506 Daten von Kaninchen.+Die Grundgesamtheit einer Querschnittsstudie von O'Neill et al., 2020((O'Neill, D. G., Craven, H. C., Brodbelt, D. C., Church, D. B., & Hedley, J. 2020. Morbidity and mortality of domestic rabbits (Oryctolagus cuniculus) under primary veterinary care in England. Veterinary Record, 186(14), 451-451. https://doi.org/10.1136/vr.105592)) umfasste anonymisierte klinische Aufzeichnungen von 6.349 Kaninchen, die an 107 englischen Kliniken für eine tierärztliche Versorgung vorgestellt wurden. Die Prävalenz wurde anhand einer Zufallsstichprobe von Kaninchen aus der gesamten Studienpopulation geschätzt. Eine A-priori-Stichprobenberechnung ergab, dass mindestens 2.356 Kaninchen hätten beprobt werden müssten, um eine Erkrankung mit einer erwarteten Prävalenz von mindestens 2,5 % mit einer Genauigkeit von 0,5 % und einem 95-prozentigen Konfidenzniveau aus einer Studienpopulation von 6.349 Kaninchen zu repräsentieren. Die Stichprobe enthielt 2.506 Daten von Kaninchen.
  
 Mit 32,4% waren in dem Programm Tiere mit hängenden Ohren (Lop) vertreten, also knapp ein Drittel aller Tiere. Mit 32,4% waren in dem Programm Tiere mit hängenden Ohren (Lop) vertreten, also knapp ein Drittel aller Tiere.
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 In der Krankheits-Gruppe „Gehör“ (Auditory) waren 25 von 2.506 Tieren vertreten (1,0%). Eine Rassezuordnung erfolgte nicht. In dem Begleitmaterial der Studie mit den Rohdaten wurden die Erkrankungen "Otitiden" zugeordnet. Das mediane Alter für diese Gruppe betrug 5,5 Jahre, das mittlere Sterbealter lag im Median bei 4,3 Jahren. Das heißt, dass Alter der vorgestellten Tiere mit dem Krankheitsgrund „Gehör“ war höher als das mittlere Sterbealter in dieser Studie.   In der Krankheits-Gruppe „Gehör“ (Auditory) waren 25 von 2.506 Tieren vertreten (1,0%). Eine Rassezuordnung erfolgte nicht. In dem Begleitmaterial der Studie mit den Rohdaten wurden die Erkrankungen "Otitiden" zugeordnet. Das mediane Alter für diese Gruppe betrug 5,5 Jahre, das mittlere Sterbealter lag im Median bei 4,3 Jahren. Das heißt, dass Alter der vorgestellten Tiere mit dem Krankheitsgrund „Gehör“ war höher als das mittlere Sterbealter in dieser Studie.  
  
-In der Einleitung wurde erklärt, dass verschiedene, zuchtbedingte  Prädispositionen für Erkrankungen bei Kaninchen zwar vermutet, aber nur im begrenzten Maß bestätigt werden können: //"Captive breeding and a desire for phenotypic variation encourages substantial changes to the modern rabbit’s size, conformation and fur type, with consequent breed-specific disease predispositions suspected but with limited confirmatory evidence"//.+In der Einleitung wurde erklärt, dass verschiedene, zuchtbedingte  Prädispositionen für Erkrankungen bei Kaninchen zwar vermutet, aber nur im begrenzten Maß bestätigt werden können: //"Captive breeding and a desire for phenotypic variation encourages substantial changes to the modern rabbit’s size, conformation and fur type, with consequent breed-specific disease predispositions suspected but with limited confirmatory evidence"//.\\  
 + 
 +Das mittlere Sterbealter der 370 Kaninchen, die während der Studie verstarben, betrug 4,3 Jahre. Bei Männchen war das mittlere Sterbealter höher (5,2 Jahre) als bei Weibchen (3,7 Jahre). Bei 103 Kaninchen (27,8 %) war die Todesursache in ihren Krankenakten nicht vermerkt. Von den verbleibenden 267 Todesfällen waren die häufigsten Todesursachen Myiasis (n=29, Prävalenz 10,9 %), Anorexie (n=18, 4,9 %), Kollaps (n=18, 4,9 %,) und Ileus (n=16, 4,3 %). Das mittlere Sterbealter bei den acht häufigsten Todesursachen variierte zwischen 1,7 Jahren bei Myxomatose und 6,4 Jahren bei Anorexie.
 ==== Shiga et al., 2022 ==== ==== Shiga et al., 2022 ====
 In einer Studie aus Japan((Shiga, T., Nakata, M., Miwa, Y., Kikuta, F., Sasaki, N., Morino, T., & Nakayama, H. 2022. Age at death and cause of death of pet rabbits (Oryctolagus cuniculus) seen at an exotic animal clinic in Tokyo, Japan: a retrospective study of 898 cases (2006–2020). Journal of Exotic Pet Medicine, 43, 35-39.)) wurden die Gründe für den Tod sowie das Sterbe[[physiologie:alter|alter]] von 898 Heimkaninchen ermittelt, die zwischen 2006-2020 in einer Heimtierklinik erfasst wurden. In einer Studie aus Japan((Shiga, T., Nakata, M., Miwa, Y., Kikuta, F., Sasaki, N., Morino, T., & Nakayama, H. 2022. Age at death and cause of death of pet rabbits (Oryctolagus cuniculus) seen at an exotic animal clinic in Tokyo, Japan: a retrospective study of 898 cases (2006–2020). Journal of Exotic Pet Medicine, 43, 35-39.)) wurden die Gründe für den Tod sowie das Sterbe[[physiologie:alter|alter]] von 898 Heimkaninchen ermittelt, die zwischen 2006-2020 in einer Heimtierklinik erfasst wurden.
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   * Die Ergebnisse lieferten keine Beweise für ein erhöhtes Risiko von Zahnerkrankungen bei Rassen mit Hängeohren im Vergleich zu Rassen mit aufrechten Ohren. Dies steht im Gegensatz zu früheren Untersuchungen, in denen der Körperbau von Hängeohren als Risikofaktor beschrieben wurde, zudem diese Arbeit((Johnson, J. C., & Burn, C. C. 2019. Lop‐eared rabbits have more aural and dental problems than erect‐eared rabbits: a rescue population study. Veterinary Record, 185(24), 758-758.)) aufgrund der geringen statistischen Aussagekraft und der Verallgemeinerbarkeit einer Studie mit nur 30 Kaninchen aus einer einzigen Auffangstation eingeschränkt war.   * Die Ergebnisse lieferten keine Beweise für ein erhöhtes Risiko von Zahnerkrankungen bei Rassen mit Hängeohren im Vergleich zu Rassen mit aufrechten Ohren. Dies steht im Gegensatz zu früheren Untersuchungen, in denen der Körperbau von Hängeohren als Risikofaktor beschrieben wurde, zudem diese Arbeit((Johnson, J. C., & Burn, C. C. 2019. Lop‐eared rabbits have more aural and dental problems than erect‐eared rabbits: a rescue population study. Veterinary Record, 185(24), 758-758.)) aufgrund der geringen statistischen Aussagekraft und der Verallgemeinerbarkeit einer Studie mit nur 30 Kaninchen aus einer einzigen Auffangstation eingeschränkt war.
   * In der Studie konnte auch kein höheres Risiko für Zahnerkrankungen bei brachyzephalen Kaninchen im Vergleich zu normozephalen Kaninchen nachgewiesen werden. Dieses Ergebnis steht im Widerspruch zu früheren Ergebnissen((Siriporn B, Weerakhun S. 2014. A study of risk factors, clinical signsand radiographic findings in relation to dental diseases of domestic rabbits. KKU Vet J. 2014;24(2):201–13.)), die eine 3,19-mal höhere Wahrscheinlichkeit von Zahnerkrankungen bei kurzköpfigen Kaninchen aufzeigten, obwohl diese Arbeit durch eine unvollständige Erläuterung der Definition von Brachyzephalie eingeschränkt war, so dass die Möglichkeit einer falschen Klassifizierung der Schädelform bestand.   * In der Studie konnte auch kein höheres Risiko für Zahnerkrankungen bei brachyzephalen Kaninchen im Vergleich zu normozephalen Kaninchen nachgewiesen werden. Dieses Ergebnis steht im Widerspruch zu früheren Ergebnissen((Siriporn B, Weerakhun S. 2014. A study of risk factors, clinical signsand radiographic findings in relation to dental diseases of domestic rabbits. KKU Vet J. 2014;24(2):201–13.)), die eine 3,19-mal höhere Wahrscheinlichkeit von Zahnerkrankungen bei kurzköpfigen Kaninchen aufzeigten, obwohl diese Arbeit durch eine unvollständige Erläuterung der Definition von Brachyzephalie eingeschränkt war, so dass die Möglichkeit einer falschen Klassifizierung der Schädelform bestand.
-  * In der Studie konnte nicht nachgewiesen werden, dass Zwergkaninchen im Vergleich zu Kaninchen der "Standard"-Größe häufiger an Zahnerkrankungen leiden. Dies stützt nicht die Theorie von Crossley((Crossley D. A. 2003. Oral biology and disorders of lagomorphs. Vet Clin N Am. 2003;6(3):629–59.)), dass Zwergkaninchenrassen eine genetische Prädisposition für erworbene Zahnerkrankungen haben.+  * In der Studie konnte nicht nachgewiesen werden, dass [[hauskaninchen:zwergkaninchen|Zwergkaninchen]] im Vergleich zu Kaninchen der "Standard"-Größe häufiger an Zahnerkrankungen leiden. Dies stützt nicht die Theorie von Crossley((Crossley D. A. 2003. Oral biology and disorders of lagomorphs. Vet Clin N Am. 2003;6(3):629–59.)), dass Zwergkaninchenrassen eine genetische Prädisposition für erworbene Zahnerkrankungen haben.
   * Bei kastrierten Kaninchen war die Wahrscheinlichkeit einer Zahnerkrankung 1,38-mal so hoch als bei intakten Kaninchen, ähnlich wie bei Hunden. Darüber hinaus war die Wahrscheinlichkeit einer Zahnerkrankung bei männlichen Kaninchen in der aktuellen Studie 1,23mal höher als bei weiblichen Kaninchen, was frühere Belege für eine starke Veranlagung von männlichen Kaninchen für Zahnerkrankungen bei Kaninchen bestätigte.   * Bei kastrierten Kaninchen war die Wahrscheinlichkeit einer Zahnerkrankung 1,38-mal so hoch als bei intakten Kaninchen, ähnlich wie bei Hunden. Darüber hinaus war die Wahrscheinlichkeit einer Zahnerkrankung bei männlichen Kaninchen in der aktuellen Studie 1,23mal höher als bei weiblichen Kaninchen, was frühere Belege für eine starke Veranlagung von männlichen Kaninchen für Zahnerkrankungen bei Kaninchen bestätigte.
   * Möglicherweise haben haltungsbedingte Faktoren, die in der aktuellen Studie nicht bewertet werden konnten, aber möglicherweise über alle Rassen hinweg konstant sind, einen weitaus größeren Einfluss auf das Risiko von Zahnerkrankungen als rassespezifische Körperbaueigenschaften. In der bisherigen Literatur wurde hervorgehoben, dass Ernährung und Unterbringung eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung von Zahnerkrankungen spielen, weil eine unterschiedliche Abrasivität des Futters und unterschiedliche Kalzium- und Vitamin-D-Konzentrationen die Bildung der wachsenden Zähne beeinflussen.     * Möglicherweise haben haltungsbedingte Faktoren, die in der aktuellen Studie nicht bewertet werden konnten, aber möglicherweise über alle Rassen hinweg konstant sind, einen weitaus größeren Einfluss auf das Risiko von Zahnerkrankungen als rassespezifische Körperbaueigenschaften. In der bisherigen Literatur wurde hervorgehoben, dass Ernährung und Unterbringung eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung von Zahnerkrankungen spielen, weil eine unterschiedliche Abrasivität des Futters und unterschiedliche Kalzium- und Vitamin-D-Konzentrationen die Bildung der wachsenden Zähne beeinflussen.  
   * Die Ergebnisse belegen keine höhere Wahrscheinlichkeit von Zahnerkrankungen bei hängeohrigen oder brachycephalen Kaninchen im Vergleich zu ihren aufrechtohrigen oder normocephalen Artgenossen, was die Möglichkeit aufkommen lässt, dass allgegenwärtige Konformitäts- und Haltungsänderungen, die mit dem Dasein als Hauskaninchen an sich verbunden sind, den größten Risikoeffekt für Zahnerkrankungen bei Kaninchen haben. Wenn es spezifische genetische Prädispositionen für Zahnerkrankungen bei Kaninchen gibt, so sind diese wahrscheinlich komplexer Natur. Diese Erkenntnisse können Tierärzten dabei helfen, betroffene Kaninchen früher zu erkennen und eine frühere Behandlung einzuleiten, um Schmerzen und Leiden zu verringern.   * Die Ergebnisse belegen keine höhere Wahrscheinlichkeit von Zahnerkrankungen bei hängeohrigen oder brachycephalen Kaninchen im Vergleich zu ihren aufrechtohrigen oder normocephalen Artgenossen, was die Möglichkeit aufkommen lässt, dass allgegenwärtige Konformitäts- und Haltungsänderungen, die mit dem Dasein als Hauskaninchen an sich verbunden sind, den größten Risikoeffekt für Zahnerkrankungen bei Kaninchen haben. Wenn es spezifische genetische Prädispositionen für Zahnerkrankungen bei Kaninchen gibt, so sind diese wahrscheinlich komplexer Natur. Diese Erkenntnisse können Tierärzten dabei helfen, betroffene Kaninchen früher zu erkennen und eine frühere Behandlung einzuleiten, um Schmerzen und Leiden zu verringern.
 ==== O'Neill et al, 2024 ==== ==== O'Neill et al, 2024 ====
-Bei dieser Studie((O'Neill, D. G., Williams, A., Brodbelt, D. C., Church, D. B., Hedley, J. 2024. Conformation-associated health in pet rabbits in the UK: A VetCompass cohort study. Vet Rec. 2024;e4396. https://doi.org/10.1002/vetr.4396)) handelte es sich um eine retrospektive Kohortenstudie, um die Prävalenz der häufigsten Erkrankungen von Heimkaninchen zu schätzen und die Mortalität zu untersuchen. Die Studienpopulation umfasste alle Kaninchen, die im Jahr 2019 in 1.224 Kliniken, die am britischen VetCompass-Programm teilnahmen, tierärztlich betreut wurden. Dafür standen die Datensätze von 162.017 Heimkaninchen zur Verfügung.+Bei dieser Studie((O'Neill, D. G., Williams, A., Brodbelt, D. C., Church, D. B., Hedley, J. 2024. Conformation-associated health in pet rabbits in the UK: A VetCompass cohort study. Vet Rec. 2024;e4396. https://doi.org/10.1002/vetr.4396)) handelte es sich um eine Querschnittsstudie (retrospektive Kohortenstudie), um die [[:praevalenz|Prävalenz]] der häufigsten Erkrankungen von Heimkaninchen zu schätzen und die Mortalität zu untersuchen. Die Studienpopulation umfasste alle Kaninchen, die im Jahr 2019 in 1.224 Kliniken, die am britischen VetCompass-Programm teilnahmen, tierärztlich betreut wurden. Dafür standen die Datensätze von 162.017 Heimkaninchen zur Verfügung
 + 
 +**Auf Grund der Methodik ist das bisher (Stand 03.02.2026) die einzige Studie, die tatsächliche, wahre  [[:praevalenz|Prävalenz]]raten für Erkrankungen der Heimkaninchen liefern kann**: 
 +  * ausreichend große Stichprobe von 3.933 Tieren aus einer Grundgesamtheit von 162.017 Heimkaninchen 
 +  * die Stichprobe wurde zufällig ausgewählt 
 +  * die Stichprobe stammt aus 1.224 verschiedenen Tierkliniken 
 +  * Prävalenzzeitraum 01.01. - 31.12.2019 
 +  * die Stichprobe enthält Daten der Diagnose(n), dem Geburtsdatum, dem Geschlecht, den Kastrationsstatus, die Rasse, den Todestag und Art des Todes. 
 + 
 +Der größte Wert besteht in der Erfassung **aller** Krankheiten für die vorgestellten Tiere in den Kliniken. Somit lassen sich bei Interesse Zusammenhänge von Erkrankungen von Heimkaninchen erkennen, die bisher in Untersuchungen zum Krankheitsgeschehen von Heimkaninchen weitgehend unberücksichtigt blieben
  
 Der Median des Körpergewichts der erwachsenen Kaninchen in der Studie betrug insgesamt 2,26 kg. Das mediane Körpergewicht der weiblichen Tiere war mit 2,30 kg höher als das der männlichen Tiere mit 2,24 kg. Dies deute darauf hin, dass die Allgemeinheit keine extremen Rassengrößen von Kaninchen bevorzugt, auch wenn die Öffentlichkeit extreme Gesichts- und Ohrenformen niedlich finde.  Der Median des Körpergewichts der erwachsenen Kaninchen in der Studie betrug insgesamt 2,26 kg. Das mediane Körpergewicht der weiblichen Tiere war mit 2,30 kg höher als das der männlichen Tiere mit 2,24 kg. Dies deute darauf hin, dass die Allgemeinheit keine extremen Rassengrößen von Kaninchen bevorzugt, auch wenn die Öffentlichkeit extreme Gesichts- und Ohrenformen niedlich finde. 
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 Es gab keinen Unterschied in den Todesursachen für Stehohr- und Widderkaninchen. Die am häufigsten gemeldeten waren Kollaps, Enteropathie und neurologischer Natur (//brain disorder//). Es gab nur begrenzte Hinweise darauf, dass die Schädelform oder die Form der Ohren mit einem signifikant erhöhten Gesamtrisiko für Erkrankungen bei Hauskaninchen in Verbindung stehen, was darauf hindeute, dass andere Faktoren wie die Haltung oder das Leben als domestizierte Tierart die Hauptursachen für die häufigsten Gesundheitsprobleme bei Heimkaninchen sind. Es gab keinen Unterschied in den Todesursachen für Stehohr- und Widderkaninchen. Die am häufigsten gemeldeten waren Kollaps, Enteropathie und neurologischer Natur (//brain disorder//). Es gab nur begrenzte Hinweise darauf, dass die Schädelform oder die Form der Ohren mit einem signifikant erhöhten Gesamtrisiko für Erkrankungen bei Hauskaninchen in Verbindung stehen, was darauf hindeute, dass andere Faktoren wie die Haltung oder das Leben als domestizierte Tierart die Hauptursachen für die häufigsten Gesundheitsprobleme bei Heimkaninchen sind.
  
-Bei 2.723 der 3.933 Tiere (69,23%) wurde mindestens eine Erkrankung erfasst, während bei den anderen 30,77% keine Erkrankung festgestellt wurde und die aus anderen Gründen wie z. B. Impfung oder Kastration vorgestellt wurden. Es gab keinen Hinweis darauf, dass sich die Wahrscheinlichkeit, mindestens eine Erkrankung aufzuweisen, zwischen den verschiedenen Ohrformen, dem Geschlecht oder der Schädelform unterschied. In Tabelle 3 sind die 20 gruppierten, häufigsten Erkrankungen aufgeführt. In der rechten Spalte wurde von mir [A. R.] zusätzlich, soweit möglich, die Differenz zur Stichprobe aus dem Jahr 2013 von O’Neill et al, 2020((O'Neill, D. G., Craven, H. C., Brodbelt, D. C., Church, D. B., & Hedley, J. 2020. Morbidity and mortality of domestic rabbits (Oryctolagus cuniculus) under primary veterinary care in England. Veterinary Record, 186(14), 451-451.)) errechnet.+Bei 2.723 der 3.933 Tiere (69,23%) wurde mindestens eine Erkrankung erfasst, während bei den anderen 30,77% keine Erkrankung festgestellt wurde und die aus anderen Gründen wie z. B. Impfung oder Kastration vorgestellt wurden. Es gab keinen Hinweis darauf, dass sich die Wahrscheinlichkeit, mindestens eine Erkrankung aufzuweisen, zwischen den verschiedenen Ohrformen, dem Geschlecht oder der Schädelform unterschied. In Tabelle 3 sind die 20 gruppierten, häufigsten Erkrankungen aufgeführt. In der rechten Spalte wurde von mir [A. R.] zusätzlich, soweit möglich, die Differenz zur Stichprobe aus dem Jahr 2013 von O’Neill et al, 2020((O'Neill, D. G., Craven, H. C., Brodbelt, D. C., Church, D. B., & Hedley, J. 2020. Morbidity and mortality of domestic rabbits (Oryctolagus cuniculus) under primary veterinary care in England. Veterinary Record, 186(14), 451-451. https://doi.org/10.1136/vr.105592)) errechnet.
  
 ^Diagnosen^Anzahl,n^Anteil, %^Alter, Median^Gewicht, kg^Differenz zu  2013, %^  ^Diagnosen^Anzahl,n^Anteil, %^Alter, Median^Gewicht, kg^Differenz zu  2013, %^ 
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 Von den 25 häufigsten Erkrankungen waren Kaninchen mit Hängeohren nur für zwei prädisponiert, nämlich für eine verschmutzte Analregion (Odds Ratio 2,35) und Anomalien des Tränen-/Nasenkanals (OR 1,97) als achthäufigste Erkrankung mit einem Anteil von 3,48%. Ergebnisse aus anderen Studien könnten aber darauf hindeuten, dass die brachyzephale Schädelform und nicht der Ohrentyp die Hauptursache für Erkrankungen des Tränen-/Nasenkanals wie Dakryozystitis (Infektion des Tränensacks) sein könnten. Von den 25 häufigsten Erkrankungen waren Kaninchen mit Hängeohren nur für zwei prädisponiert, nämlich für eine verschmutzte Analregion (Odds Ratio 2,35) und Anomalien des Tränen-/Nasenkanals (OR 1,97) als achthäufigste Erkrankung mit einem Anteil von 3,48%. Ergebnisse aus anderen Studien könnten aber darauf hindeuten, dass die brachyzephale Schädelform und nicht der Ohrentyp die Hauptursache für Erkrankungen des Tränen-/Nasenkanals wie Dakryozystitis (Infektion des Tränensacks) sein könnten.
  
-Zusammenfassend wurde festgestellt, dass ein erhöhtes Risiko für Verschmutzungen der Analregion und Tränenkanalprobleme bei Kaninchen mit Hängeohren und brachyzephalen Rassen, die beide als Haustiere immer beliebter werden, Anlass zu Besorgnis gäbe. Es sei jedoch zu beachten, dass die Ursachen der meisten, bei Kaninchen diagnostizierten Erkrankungen multifaktoriell sind, so dass auch andere Faktoren, wie z. B. Haltungsbedingungen oder Ernährungsmängel, in Betracht gezogen werden sollten. Das erhöhte Risiko für Zahnerkrankungen bei männlichen Tieren und für Fettleibigkeit bei weiblichen Tieren verdeutliche Möglichkeiten, allgemein chronischen Problemen vorzubeugen, die sich langfristig erheblich auf das Wohlergehen der Tiere auswirken können. Die begrenzten Belege dafür, dass die Schädelform oder die Form der Ohrmuscheln mit einem insgesamt erhöhten Risiko für Erkrankungen bei Hauskaninchen zusammenhänge, ließen jedoch darauf schließen, dass andere Faktoren wie die Haltung oder sogar das Leben als domestizierte Spezies die Hauptursachen für die häufigen Gesundheitsprobleme bei Heimkaninchen sind. Eine bessere Aufklärung der Besitzer über häufige Erkrankungen und deren Prävention sei wichtig, um das Wohlergehen von Kaninchen, die als Haustiere gehalten werden, zu schützen. +Zusammenfassend wurde festgestellt, dass ein erhöhtes Risiko für Verschmutzungen der Analregion und Tränenkanalprobleme bei Kaninchen mit Hängeohren und brachyzephalen Rassen, die beide als Haustiere immer beliebter werden, Anlass zu Besorgnis gäbe. Es sei jedoch zu beachten, dass die Ursachen der meisten, bei Kaninchen diagnostizierten Erkrankungen multifaktoriell sind, so dass auch andere Faktoren, wie z. B. Haltungsbedingungen oder Ernährungsmängel, in Betracht gezogen werden sollten. Das erhöhte Risiko für Zahnerkrankungen bei männlichen Tieren und für Fettleibigkeit bei weiblichen Tieren verdeutliche Möglichkeiten, allgemein chronischen Problemen vorzubeugen, die sich langfristig erheblich auf das Wohlergehen der Tiere auswirken können. Die begrenzten Belege dafür, dass die Schädelform oder die Form der Ohrmuscheln mit einem insgesamt erhöhten Risiko für Erkrankungen bei Hauskaninchen zusammenhänge, ließen jedoch darauf schließen, dass andere Faktoren wie die Haltung oder sogar das Leben als domestizierte Spezies die Hauptursachen für die häufigen Gesundheitsprobleme bei Heimkaninchen sind. Eine bessere Aufklärung der Besitzer über häufige Erkrankungen und deren Prävention sei wichtig, um das Wohlergehen von Kaninchen, die als Haustiere gehalten werden, zu schützen.\\  
 + 
 +//"However, it is **important to note** that the causation of most common disorders reported in rabbits is **multifactorial**, so other factors, such as underlying **husbandry or diet deficits**, should also be considered. The increased risk of dental disease in males and of obesity in females highlights opportunities to prevent generally chronic problems with the potential for significant long-term welfare implications. However, the **limited evidence that skull shape or ear carriage conformations were linked to overall increased disorder risk in domestic rabbits** suggests that other factors, such as husbandry or even living life as a domesticated species, are **bigger drivers** for the common health issues in pet rabbits in the UK. Improved owner education on common disorders and their prevention is important to protect the welfare of rabbits kept as pets."//((O'Neill, D. G., Williams, A., Brodbelt, D. C., Church, D. B., Hedley, J. 2024. Conformation-associated health in pet rabbits in the UK: A VetCompass cohort study. Vet Rec. 2024;e4396. https://doi.org/10.1002/vetr.4396))
 ===== Studien mit nicht zufälligen Stichproben ===== ===== Studien mit nicht zufälligen Stichproben =====
 Es existieren weitere, häufig zitierte Studien wie z. B. von Snook //et al//., 2013((Snook, T. S., White, S. D., Hawkins, M. G., Tell, L. A., Wilson, L. S., Outerbridge, C. A., & Ihrke, P. J. (2013). Skin diseases in pet rabbits: a retrospective study of 334 cases seen at the University of California at Davis, USA (1984–2004). Veterinary dermatology, 24(6), 613-e148.)), de Matos, 2015((de Matos, R. E. C., Ruby, J., Van Hatten, R. A., Thompson, M. 2015. Computed tomographic features of clinical and subclinical middle ear disease in domestic rabbits (Oryctolagus cuniculus): 88 cases (2007–2014). Journal of the American Veterinary Medical Association 246.3 (2015): 336-343.)), Reuschel, 2018((Reuschel, M. 2018. Untersuchungen zur Bildgebung des Kaninchenohres mit besonderer Berücksichtigung der Diagnostik einer Otitis bei unterschiedlichen Kaninchenrassen. Tierärztliche Hochschule Hannover. Dissertation. ISBN 978-3-86345-460-9.)) sowie Johnson und Burn, 2019((Johnson, J. C., & Burn, C. C. 2019. Lop‐eared rabbits have more aural and dental problems than erect‐eared rabbits: a rescue population study. Veterinary Record, 185(24), 758-758.)), die jedoch für die Feststellung einer allgemeinen Prävalenz von Erkankungen bei Kaninchen ungeeignet sind, weil für die jeweiligen Stichproben ausgewählte Tiere genutzt wurden. Es existieren weitere, häufig zitierte Studien wie z. B. von Snook //et al//., 2013((Snook, T. S., White, S. D., Hawkins, M. G., Tell, L. A., Wilson, L. S., Outerbridge, C. A., & Ihrke, P. J. (2013). Skin diseases in pet rabbits: a retrospective study of 334 cases seen at the University of California at Davis, USA (1984–2004). Veterinary dermatology, 24(6), 613-e148.)), de Matos, 2015((de Matos, R. E. C., Ruby, J., Van Hatten, R. A., Thompson, M. 2015. Computed tomographic features of clinical and subclinical middle ear disease in domestic rabbits (Oryctolagus cuniculus): 88 cases (2007–2014). Journal of the American Veterinary Medical Association 246.3 (2015): 336-343.)), Reuschel, 2018((Reuschel, M. 2018. Untersuchungen zur Bildgebung des Kaninchenohres mit besonderer Berücksichtigung der Diagnostik einer Otitis bei unterschiedlichen Kaninchenrassen. Tierärztliche Hochschule Hannover. Dissertation. ISBN 978-3-86345-460-9.)) sowie Johnson und Burn, 2019((Johnson, J. C., & Burn, C. C. 2019. Lop‐eared rabbits have more aural and dental problems than erect‐eared rabbits: a rescue population study. Veterinary Record, 185(24), 758-758.)), die jedoch für die Feststellung einer allgemeinen Prävalenz von Erkankungen bei Kaninchen ungeeignet sind, weil für die jeweiligen Stichproben ausgewählte Tiere genutzt wurden.
krankheiten/krankheiten.1767458970.txt.gz · Zuletzt geändert: von kathrin

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