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krankheiten:krankheiten

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krankheiten:krankheiten [2026/02/25 20:10] – [O'Neill et al., 2020] andreaskrankheiten:krankheiten [2026/03/30 20:43] (aktuell) – [Studien mit nicht zufälligen Stichproben] andreas
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 ===== Prävalenzen ===== ===== Prävalenzen =====
 Begriffserklärung: [[:praevalenz|Prävalenz]] Begriffserklärung: [[:praevalenz|Prävalenz]]
 +==== Kirschbaum, 1994 ====
 +Kirschbaum, 1994((Kirschbaum, P. (1994). Erhebungen zur Art und Indikation tierärztlicher Maßnahmen bei kleinen Heimtieren. Diss. Tierarztliche Hochschule Hannover)) wertete u. a. die Krankheitsdaten von Heimkaninchen aus, die von Mitte März 1992 - Mitte März 1993 in der Heimtiersprechstunde der Klinik für kleine Haustiere der Tierärztlichen Hochschule Hannover sowie in drei Tierarztpraxen vorgestellt wurden. 
 +
 +Tabelle: Indikationen fur die Vorstellung von Kaninchen beim Tierarzt, aus Kirschbaum, 1994
 +^Indikation^  % der Vorstellungsgründe^
 +|Zähne|  17,7|
 +|Haut & Haare|  11,4|
 +|Augen|  10,2|
 +|Bewegungsstörungen|  9,6|
 +|Krallen|  9,6|
 +|Atmung|  8,4|
 +|Verdauung|  7,5|
 +|Unbekannt|  5,1|
 +|Verletzungen|  3,0|
 +|Abszess/Umfangvermehrung|  3,0|
 +|Harnapparat|  2,4|
 +|Tumoren|  2,1|
 +|Impfung|  2,1|
 +|Allg. Untersuchung|  1,8|
 +|Ohren|  1,5|
 +|Kastration|  1,5|
 +|Sonstiges|  3,0|
 +
 +160/284 Tiere wurden zum ersten Mal krank, bei 124 Kaninchen wurden 176 vorherige Erkrankungen genannt. 
 +
 +Tabelle: Anamnese vorangegangener Erkrankungen bei Kaninchen (Mehrfachnennungen möglich), aus Kirschbaum, 1994
 +^Indikation^  Anzahl der Tiere, n^
 +|Zähne|  44|
 +|Augen|  35|
 +|Verdauung|  27|
 +|Haut & Haare|  16|
 +|Atmun|  14|
 +|Bewegungsstörungen|  7|
 +|Harnapparat|  6|
 +|Verletzungen|  5|
 +|Abszesse|  5|
 +|Ohren|  4|
 +|Tumoren|  4|
 +|Krallen|  4|
 +|Unbekannt|  2|
 +|Sonstiges|  3|
 +
 ==== Rheker, 2001 ==== ==== Rheker, 2001 ====
 Im Rahmen einer Dissertation erfasste Rheker, 2001((Rheker I. 2001. Untersuchung zur Bedeutung der Heimtiere in der tierärztlichen Fortbildung in Bezug zur Entwicklung des Heimtieranteils am Gesamtaufkommen der Patienten der Klinik für kleine Haustiere, der Klinik für Zier und Wildvögel sowie der Klinik für Fischkrankheiten der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Diss med vet, Tierärztliche Hochschule Hannover.)) für die Jahre 1990-1999 Diagnosen für verschiedene Tierarten, u. a. die von 3.356 Kaninchen. In der folgenden Tabelle sind gruppierte Diagnosen mit einem Anteil von ≥ 1,0% aufgeführt. Behandlungen wie Kastration mit 12% und Impfungen mit 5% fehlen in der Übersicht. Ohrerkrankungen waren mit 0,1% beteiligt. Im Rahmen einer Dissertation erfasste Rheker, 2001((Rheker I. 2001. Untersuchung zur Bedeutung der Heimtiere in der tierärztlichen Fortbildung in Bezug zur Entwicklung des Heimtieranteils am Gesamtaufkommen der Patienten der Klinik für kleine Haustiere, der Klinik für Zier und Wildvögel sowie der Klinik für Fischkrankheiten der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Diss med vet, Tierärztliche Hochschule Hannover.)) für die Jahre 1990-1999 Diagnosen für verschiedene Tierarten, u. a. die von 3.356 Kaninchen. In der folgenden Tabelle sind gruppierte Diagnosen mit einem Anteil von ≥ 1,0% aufgeführt. Behandlungen wie Kastration mit 12% und Impfungen mit 5% fehlen in der Übersicht. Ohrerkrankungen waren mit 0,1% beteiligt.
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 ==== Langenecker et al., 2009 ==== ==== Langenecker et al., 2009 ====
-In einer Arbeit von Langenecker //et al//., 2009((Langenecker, M.; Clauss, M.; Hässig, M.; Hatt, J. M. 2009. Vergleichende Untersuchung zur Krankheitsverteilung bei Kaninchen, Meerscheinchen, Ratten und Frettchen. Tierärztliche Praxis. Ausgabe K, Kleintiere, 37(5):326-333.)) wurde die Anzahl von Vorstellungsgründen von Kaninchen aus verschiedenen Veröffentlichungen (Tierarztpraxen) verglichen. In der Auswertung wurde sie um eine Arbeit von Mullan & Main, 2006((Mullan, S. M.; Main, D. C. J. 2006. Survey of the husbandry, health and welfare of 102 pet rabbits. Vet Rec 159: 103-109.)) ergänzt. Auf Grund ihres relativ seltenen Auftretens waren Ohrerkrankungen in den Statistiken nicht enthalten. Die Zahlen für Rheker, 2001 unterschieden sich in der Arbeit etwas zur vorstehenden Auswertung, weil vermutlich die Gruppierung der Diagnosen unterschiedlich ist.  +Tabelle: Diagnosen in der Studie von Langenecker, 2009 
- +^Diagnose^Langenecker, 2009((Langenecker, M.; Clauss, M.; Hässig, M.; Hatt, J. M. 2009. Vergleichende Untersuchung zur Krankheitsverteilung bei Kaninchen, Meerscheinchen, Ratten und Frettchen. Tierärztliche Praxis. Ausgabe K, Kleintiere, 37(5):326-333))\\ n = 2.125^ 
-Die geringe Zahl von Zahnerkrankungen in der Arbeit von Möller, 1984((Möller I. 1984. Meerschweinchen, Kaninchen und Hamster als Patienten in der Kleintierpraxis. Diss med vet, Ludwig-Maximilians-Universität München.)) mit 130 Tieren wurde als ein möglicher Hinweis darauf gesehen: //"dass in neuerer Zeit die Zucht von Zwergformendie bekanntlich mit Zahnfehlstellung einhergehtdas Auftreten von Zahnerkrankungen gefördert hat. Dem steht jedoch die Beobachtung entgegendass das mediane Alter unserer Kaninchenpatienten über 3 Jahren lagwas nicht für eine angeborenesondern für eine erworbene Zahnerkrankung spricht"//. +|Gebiss-/Zahnerkrankungen|  14,0| 
-<imgcaption label4|Diagnosen für Kaninchen aus verschiedenen Tierarztpraxen nach Daten aus Langenecker et al.2009 und Mullan & Main2006>{{krankheiten:langenecker_2009.jpg?800}}</imgcaption>+|Abszesse|  8,0| 
 +|Augenerkrankungen|  7,0| 
 +|Frakturen|  5,0| 
 +|Trauma|  8,0| 
 +|Tumore|  5,0| 
 +|Enzephalitozoonose|  5,0|
 ==== Rooney et al., 2014 ==== ==== Rooney et al., 2014 ====
 In dieser Studie((Rooney, N. J., Blackwell, E. J., Mullan, S. M., Saunders, R., Baker, P. E., Hill, J. M., ... & Held, S. D. 2014. The current state of welfare, housing and husbandry of the English pet rabbit population. BMC research notes, 7, 1-13.)) wurden die Ergebnisse ausgefüllter Fragebögen von Kaninchenhaltern für insgesamt 1.254 Kaninchen aus drei verschiedenen geografischen Gebieten Englands analysiert, um ein genaues Bild über die derzeitige Unterbringung und Pflege von Heimkaninchen und die wichtigsten Aspekte ihrer Gesundheit und ihres Wohlergehens zu erhalten. In dieser Studie((Rooney, N. J., Blackwell, E. J., Mullan, S. M., Saunders, R., Baker, P. E., Hill, J. M., ... & Held, S. D. 2014. The current state of welfare, housing and husbandry of the English pet rabbit population. BMC research notes, 7, 1-13.)) wurden die Ergebnisse ausgefüllter Fragebögen von Kaninchenhaltern für insgesamt 1.254 Kaninchen aus drei verschiedenen geografischen Gebieten Englands analysiert, um ein genaues Bild über die derzeitige Unterbringung und Pflege von Heimkaninchen und die wichtigsten Aspekte ihrer Gesundheit und ihres Wohlergehens zu erhalten.
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 Es gab keinen Unterschied in den Todesursachen für Stehohr- und Widderkaninchen. Die am häufigsten gemeldeten waren Kollaps, Enteropathie und neurologischer Natur (//brain disorder//). Es gab nur begrenzte Hinweise darauf, dass die Schädelform oder die Form der Ohren mit einem signifikant erhöhten Gesamtrisiko für Erkrankungen bei Hauskaninchen in Verbindung stehen, was darauf hindeute, dass andere Faktoren wie die Haltung oder das Leben als domestizierte Tierart die Hauptursachen für die häufigsten Gesundheitsprobleme bei Heimkaninchen sind. Es gab keinen Unterschied in den Todesursachen für Stehohr- und Widderkaninchen. Die am häufigsten gemeldeten waren Kollaps, Enteropathie und neurologischer Natur (//brain disorder//). Es gab nur begrenzte Hinweise darauf, dass die Schädelform oder die Form der Ohren mit einem signifikant erhöhten Gesamtrisiko für Erkrankungen bei Hauskaninchen in Verbindung stehen, was darauf hindeute, dass andere Faktoren wie die Haltung oder das Leben als domestizierte Tierart die Hauptursachen für die häufigsten Gesundheitsprobleme bei Heimkaninchen sind.
  
-Bei 2.723 der 3.933 Tiere (69,23%) wurde mindestens eine Erkrankung erfasst, während bei den anderen 30,77% keine Erkrankung festgestellt wurde und die aus anderen Gründen wie z. B. Impfung oder Kastration vorgestellt wurden. Es gab keinen Hinweis darauf, dass sich die Wahrscheinlichkeit, mindestens eine Erkrankung aufzuweisen, zwischen den verschiedenen Ohrformen, dem Geschlecht oder der Schädelform unterschied. In Tabelle 3 sind die 20 gruppierten, häufigsten Erkrankungen aufgeführt. In der rechten Spalte wurde von mir [A. R.] zusätzlich, soweit möglich, die Differenz zur Stichprobe aus dem Jahr 2013 von O’Neill et al, 2020((O'Neill, D. G., Craven, H. C., Brodbelt, D. C., Church, D. B., & Hedley, J. 2020. Morbidity and mortality of domestic rabbits (Oryctolagus cuniculus) under primary veterinary care in England. Veterinary Record, 186(14), 451-451.)) errechnet.+Bei 2.723 der 3.933 Tiere (69,23%) wurde mindestens eine Erkrankung erfasst, während bei den anderen 30,77% keine Erkrankung festgestellt wurde und die aus anderen Gründen wie z. B. Impfung oder Kastration vorgestellt wurden. Es gab keinen Hinweis darauf, dass sich die Wahrscheinlichkeit, mindestens eine Erkrankung aufzuweisen, zwischen den verschiedenen Ohrformen, dem Geschlecht oder der Schädelform unterschied. In Tabelle 3 sind die 20 gruppierten, häufigsten Erkrankungen aufgeführt. In der rechten Spalte wurde von mir [A. R.] zusätzlich, soweit möglich, die Differenz zur Stichprobe aus dem Jahr 2013 von O’Neill et al, 2020((O'Neill, D. G., Craven, H. C., Brodbelt, D. C., Church, D. B., & Hedley, J. 2020. Morbidity and mortality of domestic rabbits (Oryctolagus cuniculus) under primary veterinary care in England. Veterinary Record, 186(14), 451-451. https://doi.org/10.1136/vr.105592)) errechnet.
  
 ^Diagnosen^Anzahl,n^Anteil, %^Alter, Median^Gewicht, kg^Differenz zu  2013, %^  ^Diagnosen^Anzahl,n^Anteil, %^Alter, Median^Gewicht, kg^Differenz zu  2013, %^ 
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 |Johnson & Burn, 2019|15 Stehohr- und 15 Widderkaninchen - von der Leiterin eines Tierheimes ausgesucht, nachdem ihr mitgeteilt wurde, dass die Tiere allgemein sowie insbesondere deren Zähne und Ohren untersucht werden sollten| |Johnson & Burn, 2019|15 Stehohr- und 15 Widderkaninchen - von der Leiterin eines Tierheimes ausgesucht, nachdem ihr mitgeteilt wurde, dass die Tiere allgemein sowie insbesondere deren Zähne und Ohren untersucht werden sollten|
  
-In der Dissertation von Reuschel, 2018 wurde über das Vorkommen von obligat anaeroben gramnegativen Bakterien bei an //"Otitis externa"// erkrankten Widderkaninchen berichtet und vermutet, dass dies auf den //"Luftabschluss"// in den Ohren von Widderkaninchen zurückzuführen sei: //"Alle positiven Nachweise bei erkrankten Kaninchen stammten von Widderkaninchen. Dies deutet darauf hin, dass bei Widderkaninchen durch den Verschluss des Gehörgangs aufgrund der Schlappohren ein Luftabschluss entsteht und somit ein obligat anaerobes Wachstum ermöglicht wird."// Allerdings wurden bei gesunden Widderkaninchen keine obligat anaeroben Bakterien gefunden. \\ +In der Dissertation von Reuschel, 2018 wurde über das Vorkommen von obligat anaeroben gramnegativen Bakterien bei an //"Otitis externa"// erkrankten Widderkaninchen berichtet und vermutet, dass dies auf den //"Luftabschluss"// in den Ohren von Widderkaninchen zurückzuführen sei: //"Alle positiven Nachweise bei erkrankten Kaninchen stammten von Widderkaninchen. Dies deutet darauf hin, dass bei Widderkaninchen durch den Verschluss des Gehörgangs aufgrund der Schlappohren ein Luftabschluss entsteht und somit ein obligat anaerobes Wachstum ermöglicht wird."// Allerdings wurden bei gesunden Widderkaninchen keine obligat anaeroben Bakterien gefunden, was bei einem //"Luftabschluss"// gegeben wäre. \\ 
  
-Bei diesen Bakterien handelte es sich um //"Fusobacterium nucleatum"// sowie //"Prevotella sp."//, die vor allem in der Mundschleimhaut vorkommen und an Ober- und Unterkieferabszessen sowie allgemein an [[abszesse|Abszessen]] im Kopfbereich beteiligt sind. Es ist also wesentlich wahrscheinlicher als der vermutete //"Luftabschluss"//, dass diese Bakterien über die Eustachische Röhre (//"Tuba auditiva"//) vom Maul (Abszesse) in das Ohr erkrankter Kaninchen gelangt sind. +Bei diesen Bakterien handelte es sich um //"Fusobacterium nucleatum"// sowie //"Prevotella sp."//, die vor allem in der Mundschleimhaut vorkommen und an eitrigen Zahnerkrankungen sowie Ober- und Unterkieferabszessen und allgemein an [[abszesse|Abszessen]] im Kopfbereich beteiligt sind. Ewringmann, 2017((Ewringmann, A. (2017). Keimspektrum und Antibiotikasensitivitäten bei eitrigen Zahnerkrankungen von Kaninchen. Tierärztliche Praxis Ausgabe K: Kleintiere/Heimtiere, 45(06), 373-383)) fand in einer Untersuchung von 126 Kaninchen mit eitrigen Zahnerkrankungen bei 43 (34,1%) ausschließlich Anaerobier. Bei 17 von 126 Tieren (13,5%) handelte es sich um die Bakterienstämme //"Prevotella spp."// und bei 13 von 126 (10,3%) um //"Fusobacterium spp."//. Es ist also wesentlich wahrscheinlicher als der vermutete //"Luftabschluss"//, dass diese Bakterien über die Eustachische Röhre (//"Tuba auditiva"//) vom Maul in das Ohr erkrankter Kaninchen gelangt sind. 
  
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krankheiten/krankheiten.1772046612.txt.gz · Zuletzt geändert: von andreas

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