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wildkaninchen:australien

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wildkaninchen:australien [2026/08/29 16:44] kathrinwildkaninchen:australien [2026/08/31 23:37] (aktuell) kathrin
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 In Australien kommen Kaninchen hauptsächlich südlich des Wendekreises des Steinbocks (Tropic of Capricorn) vor. Die Baue geben ihnen hier Schutz vor Räubern und klimatischen Einflüssen, so dass sie auch in sehr trockenen, heißen Gebieten siedeln. Im Südwesten und Westen sowie in Tasmanien, wo große Populationen existieren, leben sie vorwiegend oberirdisch.  In Australien kommen Kaninchen hauptsächlich südlich des Wendekreises des Steinbocks (Tropic of Capricorn) vor. Die Baue geben ihnen hier Schutz vor Räubern und klimatischen Einflüssen, so dass sie auch in sehr trockenen, heißen Gebieten siedeln. Im Südwesten und Westen sowie in Tasmanien, wo große Populationen existieren, leben sie vorwiegend oberirdisch. 
  
-Die ersten Hauskaninchen wurden 1788 in Australien (Sidney) eingeführt, wo sie im südöstlichen Tasmanien bis 1827 zu einigen Tausenden verwilderten. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden verschiedentlich Hauskaninchen in und um Sydney sowie weiteren Teilen Australiens freigelassen, aber keine führte zur Etablierung von Populationen abseits menschlicher Siedlungen.((Stodart, E. und Myers, K. 1964. A Comparison of Behaviour, Reproduction, and Mortality of Wild and Domestic Rabbits in Confined Populations. CSIRO Wildl. Res. 1964, 9(2), S. 144-159.))((Alves, J. M., Carneiro, M., Day, J. P., Welch, J. J., Duckworth, J. A., Cox, T. E., ... & Jiggins, F. M. (2022). A single introduction of wild rabbits triggered the biological invasion of Australia. Proceedings of the National Academy of Sciences, 119(35), e2122734119. https://doi.org/10.1073/pnas.2122734119))+Die ersten Hauskaninchen wurden 1788 in Australien (Sidney) eingeführt, wo sie im südöstlichen Tasmanien bis 1827 zu einigen Tausenden [[:verwilderung|verwilderten]]. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden verschiedentlich Hauskaninchen in und um Sydney sowie weiteren Teilen Australiens freigelassen, aber keine führte zur Etablierung von Populationen abseits menschlicher Siedlungen.((Stodart, E. und Myers, K. 1964. A Comparison of Behaviour, Reproduction, and Mortality of Wild and Domestic Rabbits in Confined Populations. CSIRO Wildl. Res. 1964, 9(2), S. 144-159.))((Alves, J. M., Carneiro, M., Day, J. P., Welch, J. J., Duckworth, J. A., Cox, T. E., ... & Jiggins, F. M. (2022). A single introduction of wild rabbits triggered the biological invasion of Australia. Proceedings of the National Academy of Sciences, 119(35), e2122734119. https://doi.org/10.1073/pnas.2122734119))
  
-1859 bat Thomas Austin, ein englischer Siedler, der auf seinem Anwesen auf dem australischen Festland eine Kaninchenpopulation für die Jagd aufbauen wollte, seine Familie in England, ihm einige Kaninchen zu schicken. Im Dezember desselben Jahres kamen mit einer Schiffsflotte 24 Kaninchen in Melbourne an, die auf das Anwesen von T. Austin in Barwon Park in der Nähe von Geelong in Victoria gebracht wurden. Auf Grund der guten Bedingungen und Hege vermehrten sie sich dort rasch. Von dem Besitzer wurden einige Tiere an Freunde und Kollegen weitergegeben, wobei es sich nicht nur um domestizierte, sondern auch um wilde Kaninchen handelte. 9 Jahre nach ihrer Ankunft wurden im Barwon Park bereits 14.253 Kaninchen erlegt. Von Geelong aus verbreitete sich das Kaninchen dann mit einer Geschwindigkeit von 15 100 km/Jahr. Nach 50 Jahren erreichten sie die Westküste am Indischen Ozean. Auf dem Höhepunkt ihrer Landnahme betrug die Zahl der Tiere wohl an die 500 Millionen. Sie okkupierten fast alle Landstriche Australiens, von den Schneefeldern der Australischen Alpen bis zu den Wüsten im Landesinneren. Aufgehalten wurde sie nur dort, wo ökologische Faktoren gegen sie waren: Ozeane und tropische Temperaturen.((Richardson, B. J. 2001. New challenges to health: the threat of virus infection. In: G. L. Smith, et al. New challenges to health: the threat of virus infection. Cambridge : Cambridge University Press, 2001.))((Alves, J. M., Carneiro, M., Day, J. P., Welch, J. J., Duckworth, J. A., Cox, T. E., ... & Jiggins, F. M. (2022). A single introduction of wild rabbits triggered the biological invasion of Australia. Proceedings of the National Academy of Sciences, 119(35), e2122734119. https://doi.org/10.1073/pnas.2122734119)) +1859 bat Thomas Austin, ein englischer Siedler, der auf seinem Anwesen auf dem australischen Festland eine Kaninchenpopulation für die Jagd aufbauen wollte, seine Familie in England, ihm einige Kaninchen zu schicken. Im Dezember desselben Jahres kamen mit einer Schiffsflotte 24 Kaninchen in Melbourne an, die auf das Anwesen von T. Austin in Barwon Park in der Nähe von Geelong in Victoria gebracht wurden. Auf Grund der guten Bedingungen und Hege vermehrten sie sich dort rasch. Von dem Besitzer wurden einige Tiere an Freunde und Kollegen weitergegeben, wobei es sich nicht nur um domestizierte, sondern auch um wilde Kaninchen handelte. 9 Jahre nach ihrer Ankunft wurden im Barwon Park bereits 14.253 Kaninchen erlegt. Von Geelong aus verbreitete sich das Kaninchen dann mit einer Geschwindigkeit von 15−300 km/Jahr. Nach 50 Jahren erreichten sie die Westküste am Indischen Ozean. Auf dem Höhepunkt ihrer Landnahme betrug die Zahl der Tiere wohl an die 500 Millionen. Sie okkupierten fast alle Landstriche Australiens, von den Schneefeldern der Australischen Alpen bis zu den Wüsten im Landesinneren. Aufgehalten wurde sie nur dort, wo ökologische Faktoren gegen sie waren: Ozeane und tropische Temperaturen.((Richardson, B. J. 2001. New challenges to health: the threat of virus infection. In: G. L. Smith, et al. New challenges to health: the threat of virus infection. Cambridge : Cambridge University Press, 2001.))((Alves, J. M., Carneiro, M., Day, J. P., Welch, J. J., Duckworth, J. A., Cox, T. E., ... & Jiggins, F. M. (2022). A single introduction of wild rabbits triggered the biological invasion of Australia. Proceedings of the National Academy of Sciences, 119(35), e2122734119. https://doi.org/10.1073/pnas.2122734119)) 
  
 Beobachtungen zeigen eine Anpassung des Kaninchens an die jeweiligen Umgebungsbedingungen: dunkleres Fell und kürzere Gliedmaßen in kühler und feuchter Umgebung und helles Fell und längere Gliedmaßen in heißeren, mehr ariden Gebieten. Diese Anpassungen erfolgten innerhalb von 80 Generationen nach ihrer Ankunft in Australien. Einige dieser Anpassungen sind genetisch durch die natürliche Selektion bedingt, während andere eine direkte Antwort des Organismus auf die Umweltbedingungen während der Entwicklung sind. Weitere Aspekte variieren ebenso mit den Umweltbedingungen: die Geburtenrate (28 Jungtiere/Häsin/Jahr) liegt in trockenen Gebieten ebenso höher wie die Sterberate, während in kühleren, feuchten Gebieten die Geburtsrate (14 Jungtiere/Häsin/Jahr) und Sterberate niedriger liegt. Die unterschiedliche Fruchtbarkeit ist wohl eher ökologisch als genetisch bedingt. In trockeneren Gebieten des Landes wächst die Population rapide an und alles Fressbare wird vernichtet. Bei länger anhaltender Trockenheit wächst zu wenig Vegetation nach und die Tiere sterben auf Grund von Nahrungs- und Wassermangel. Beobachtungen zeigen eine Anpassung des Kaninchens an die jeweiligen Umgebungsbedingungen: dunkleres Fell und kürzere Gliedmaßen in kühler und feuchter Umgebung und helles Fell und längere Gliedmaßen in heißeren, mehr ariden Gebieten. Diese Anpassungen erfolgten innerhalb von 80 Generationen nach ihrer Ankunft in Australien. Einige dieser Anpassungen sind genetisch durch die natürliche Selektion bedingt, während andere eine direkte Antwort des Organismus auf die Umweltbedingungen während der Entwicklung sind. Weitere Aspekte variieren ebenso mit den Umweltbedingungen: die Geburtenrate (28 Jungtiere/Häsin/Jahr) liegt in trockenen Gebieten ebenso höher wie die Sterberate, während in kühleren, feuchten Gebieten die Geburtsrate (14 Jungtiere/Häsin/Jahr) und Sterberate niedriger liegt. Die unterschiedliche Fruchtbarkeit ist wohl eher ökologisch als genetisch bedingt. In trockeneren Gebieten des Landes wächst die Population rapide an und alles Fressbare wird vernichtet. Bei länger anhaltender Trockenheit wächst zu wenig Vegetation nach und die Tiere sterben auf Grund von Nahrungs- und Wassermangel.
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 ===== Biologische Invasion und Genetik ===== ===== Biologische Invasion und Genetik =====
  
-Die Einführung von Wildkaninchen anstelle von Hauskaninchen und anschließende parallele Veränderungen in der Populationsdynamik an drei Standorten mit unterschiedlichen Umweltbedingungen − Australien, Neuseeland und Tasmanien − legen nahe, dass [[:genetik|genetische]] Faktoren eine entscheidende Rolle für den Erfolg dieser biologischen Invasionen gespielt haben.((Alves, J. M., Carneiro, M., Day, J. P., Welch, J. J., Duckworth, J. A., Cox, T. E., ... & Jiggins, F. M. (2022). A single introduction of wild rabbits triggered the biological invasion of Australia. Proceedings of the National Academy of Sciences, 119(35), e2122734119. https://doi.org/10.1073/pnas.2122734119))+Die Einführung von Wildkaninchen anstelle von Hauskaninchen und anschließende parallele Veränderungen in der Populationsdynamik an drei Standorten mit unterschiedlichen Umweltbedingungen − Australien, Tasmanien und Neuseeland − legen nahe, dass [[:genetik|genetische]] Faktoren eine entscheidende Rolle für den Erfolg dieser biologischen Invasionen gespielt haben.((Alves, J. M., Carneiro, M., Day, J. P., Welch, J. J., Duckworth, J. A., Cox, T. E., ... & Jiggins, F. M. (2022). A single introduction of wild rabbits triggered the biological invasion of Australia. Proceedings of the National Academy of Sciences, 119(35), e2122734119. https://doi.org/10.1073/pnas.2122734119)) 
 + 
 +Um die Ursachen der Kaninchenplage in Australien zu ermitteln, kombinierten Alves //et al//., 2022((Alves, J. M., Carneiro, M., Day, J. P., Welch, J. J., Duckworth, J. A., Cox, T. E., ... & Jiggins, F. M. (2022). A single introduction of wild rabbits triggered the biological invasion of Australia. Proceedings of the National Academy of Sciences, 119(35), e2122734119. https://doi.org/10.1073/pnas.2122734119)) zahlreiche, historische Aufzeichnungen mit genetischen Daten. Es wurden Gesamt-Exom-Sequenzen von 187 Kaninchen aus den folgenden Populationen analysiert: 1) Populationen des australischen Festlands (n = 62), Tasmaniens (n = 2) und Neuseelands (n = 5); 2) Wildkaninchenpopulationen aus Frankreich (n = 55) und Großbritannien (n = 55); sowie 3) Hauskaninchen aus acht verschiedenen Rassen (n = 8; //Belgian Hare//, //Champagne Silver//, //English Silver//, //Fauve de Bourgogne//, //Flemish Giant//, //French Angora//, //Himalayan//, //Vienna White//). 
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 +Zwar zeigten die Ergebnisse, dass verwilderte Hauskaninchen einen bedeutenden Anteil der Vorfahren invasiver Populationen in Sydney, Tasmanien und Neuseeland ausmachen. Dennoch belegten sie, dass erst die von T. Austin freigesetzten Wildkaninchen den entscheidenden Auslöser für die Kaninchenplage darstellten und bestätigten damit die historischen Aufzeichnungen.
  
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wildkaninchen/australien.1788014690.txt.gz · Zuletzt geändert: von kathrin

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