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wildkaninchen:nahrung

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wildkaninchen:nahrung [2026/02/22 10:46] kathrinwildkaninchen:nahrung [2026/02/22 14:06] (aktuell) kathrin
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 Dass Kaninchen unabhängig davon, wo sie leben, weiche, ballaststoffarme, nährstoffreiche Gräser, Leguminosen und Kräuter bevorzugen, wurde von Myers & Bults, 1977((Myers, K.; Bults, H. G. 1977. Observations on changes in the quality of food eaten by the wild rabbit. Australian Journal of Ecology (1977), 2, 215-22.)) in einem Vergleich der Nahrung von Kaninchen in verschiedenen Lebensräumen Australiens mit der Nahrung von Kaninchen im Mittelmeerraum festgestellt. Die Beziehung, die die Nahrung zur Ökologie der Kaninchen hatte, war von Population zu Population unterschiedlich. In semi-ariden nordwestlichen und mediterranen Gebieten von New South Wales standen Veränderungen der Nahrungsqualität in engem Zusammenhang mit Veränderungen des Klimas und verschiedenen, wichtigen Aspekten der Kaninchenbiologie. Im Süden Queenslands und im subalpinen New South Wales hing dagegen die Qualität der Nahrung im Magen weniger stark mit Klimaänderungen und gemessenen, biologischen Parametern zusammen. Geringere Nährstoffgehalte in qualitativ schlechter Nahrung wurde durch eine Mehraufnahme kompensiert.  Dass Kaninchen unabhängig davon, wo sie leben, weiche, ballaststoffarme, nährstoffreiche Gräser, Leguminosen und Kräuter bevorzugen, wurde von Myers & Bults, 1977((Myers, K.; Bults, H. G. 1977. Observations on changes in the quality of food eaten by the wild rabbit. Australian Journal of Ecology (1977), 2, 215-22.)) in einem Vergleich der Nahrung von Kaninchen in verschiedenen Lebensräumen Australiens mit der Nahrung von Kaninchen im Mittelmeerraum festgestellt. Die Beziehung, die die Nahrung zur Ökologie der Kaninchen hatte, war von Population zu Population unterschiedlich. In semi-ariden nordwestlichen und mediterranen Gebieten von New South Wales standen Veränderungen der Nahrungsqualität in engem Zusammenhang mit Veränderungen des Klimas und verschiedenen, wichtigen Aspekten der Kaninchenbiologie. Im Süden Queenslands und im subalpinen New South Wales hing dagegen die Qualität der Nahrung im Magen weniger stark mit Klimaänderungen und gemessenen, biologischen Parametern zusammen. Geringere Nährstoffgehalte in qualitativ schlechter Nahrung wurde durch eine Mehraufnahme kompensiert. 
  
-----+===== Nahrungspyramide nach Homolka, 1985, 1988 =====
  
 Wie sich die Nahrung in zwei verschiedenen Lebensräumen von Wildkaninchen unterscheidet, die ca. 300 km auseinanderliegen, wurde von Homolka, 1985((Homolka, M. 1985. Die Nahrung einer Population des Wildkaninchens (Oryctolagus Cuniculus) auf dem Böhmisch-Mährischen Höhenzug. Folia Zoologica. 1985, 34/4, S. 303-314.)) und Homolka, 1988((Homolka, M. 1988. Diet of the wild rabbit (Oryctolagus cuniculus) in an agrocenosis. Folia Zoologica. 1988, 37(2), S. 121-128.)) in Tschechien untersucht. Dabei handelte es sich einmal um ein Gebiet auf dem Böhmisch-Mährischen Höhenzug in einer Höhe von ca. 430 m an einem Waldrand mit Wiesen. Das zweite Untersuchungsgebiet befand sich südlich von Brno im Flachland zwischen Feldern und einer alten Obstwiese. Diese Population war deutlich größer, die Vegetation nicht so abwechslungsreich und das Klima weniger hart als auf dem Böhmisch-Mährischen Höhenzug. In <imgref label7> ist die Zusammensetzung der Nahrung in den beiden Gebieten dargestellt, um die Unterschiede zu verdeutlichen. Englischsprachige Bezeichnungen wurden den deutschen angepasst und bedeuten folgendes:  Wie sich die Nahrung in zwei verschiedenen Lebensräumen von Wildkaninchen unterscheidet, die ca. 300 km auseinanderliegen, wurde von Homolka, 1985((Homolka, M. 1985. Die Nahrung einer Population des Wildkaninchens (Oryctolagus Cuniculus) auf dem Böhmisch-Mährischen Höhenzug. Folia Zoologica. 1985, 34/4, S. 303-314.)) und Homolka, 1988((Homolka, M. 1988. Diet of the wild rabbit (Oryctolagus cuniculus) in an agrocenosis. Folia Zoologica. 1988, 37(2), S. 121-128.)) in Tschechien untersucht. Dabei handelte es sich einmal um ein Gebiet auf dem Böhmisch-Mährischen Höhenzug in einer Höhe von ca. 430 m an einem Waldrand mit Wiesen. Das zweite Untersuchungsgebiet befand sich südlich von Brno im Flachland zwischen Feldern und einer alten Obstwiese. Diese Population war deutlich größer, die Vegetation nicht so abwechslungsreich und das Klima weniger hart als auf dem Böhmisch-Mährischen Höhenzug. In <imgref label7> ist die Zusammensetzung der Nahrung in den beiden Gebieten dargestellt, um die Unterschiede zu verdeutlichen. Englischsprachige Bezeichnungen wurden den deutschen angepasst und bedeuten folgendes: 
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 <imgcaption label8|Ungefähre, jährliche Zusammensetzung der Nahrung des Wildkaninchens in Mitteleuropa, nach Daten aus Homolka 1985, 1988>{{wildkaninchen:nahrung:Rabbit_nutrition.png?600}}</imgcaption>\\  <imgcaption label8|Ungefähre, jährliche Zusammensetzung der Nahrung des Wildkaninchens in Mitteleuropa, nach Daten aus Homolka 1985, 1988>{{wildkaninchen:nahrung:Rabbit_nutrition.png?600}}</imgcaption>\\ 
  
-----+===== Weitere Untersuchungen =====
  
 Kumerloeve, 1956((Kumerloeve, H. 1956. Kaninchen, Oryctolagus ccuniculus (Linne, 1758), und Hasen, Lepus europaeus (Pallas 1778), als Pilzfresser. Säugetierk. Mitt. 1956, 4, 3, S. 125-126.)) stellte auf der Insel Amrum eine Vorliebe der Kaninchen für Boviste fest, was auch auf die geringen Flächen mit Süßgräsern zurückführt wurde. Strandhafer und ein Großteil der Geest-Vegetation wurde weitgehend gemieden.\\ Kumerloeve, 1956((Kumerloeve, H. 1956. Kaninchen, Oryctolagus ccuniculus (Linne, 1758), und Hasen, Lepus europaeus (Pallas 1778), als Pilzfresser. Säugetierk. Mitt. 1956, 4, 3, S. 125-126.)) stellte auf der Insel Amrum eine Vorliebe der Kaninchen für Boviste fest, was auch auf die geringen Flächen mit Süßgräsern zurückführt wurde. Strandhafer und ein Großteil der Geest-Vegetation wurde weitgehend gemieden.\\
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 Krähenbeeren (Corema album) sind immergrüne Zwergsträucher aus der Familie der Heidekrautgewächse, die bereits in der Antike gegen Blasensteine eingesetzt wurden. Larrinaga, 2010((Larrinaga, A. R. 2010. Rabbits (Oryctolagus cuniculus) select small seeds when feeding on the fruits of Corema album. Ecol Res. 2010, 25, S. 245–249.))  konstatierte im Nordwesten Spaniens eine besondere Auswahl des Samens dieser Pflanzen durch Wildkaninchen nach deren Größe. Die Ergebnisse legten nahe, dass Kaninchen aktiv kleine Blüten auswählen bzw. aus den Blüten die kleinen Samen selektieren.\\  Krähenbeeren (Corema album) sind immergrüne Zwergsträucher aus der Familie der Heidekrautgewächse, die bereits in der Antike gegen Blasensteine eingesetzt wurden. Larrinaga, 2010((Larrinaga, A. R. 2010. Rabbits (Oryctolagus cuniculus) select small seeds when feeding on the fruits of Corema album. Ecol Res. 2010, 25, S. 245–249.))  konstatierte im Nordwesten Spaniens eine besondere Auswahl des Samens dieser Pflanzen durch Wildkaninchen nach deren Größe. Die Ergebnisse legten nahe, dass Kaninchen aktiv kleine Blüten auswählen bzw. aus den Blüten die kleinen Samen selektieren.\\ 
  
-Hernández-Teixidor //et al//., 2026((Hernández-Teixidor, D., Rodríguez-Arvelo, F., & Alfayate, C. (2026). The endemic shrubland community of Teide National park under threat from the invasive European rabbit: a microhistological approach using faecal samples. European Journal of Wildlife Research, 72(2), 25.))+Bei einer mikrohistologischen Untersuchung von Kaninchenkot, der über einen Zeitraum von einem Jahr (2017) im Teide-Nationalpark, Teneriffa, gesammelt wurde, wurden insgesamt 12 Pflanzenarten identifiziert. Die Nahrung der Kaninchen bestand hauptsächlich aus den drei Arten //Spartocytisus supranubius// (Teideginster), //Pterocephalus lasiospermus// (Rosenstrauch) und //Descurainia bourgeauana// (Teide-Rauke). Obwohl diese die am häufigsten in den beprobten Futtergebieten vorkommenden Pflanzenarten darstellten, deutete die Untersuchung auf eine selektive Nahrungssuche hin. Die Zusammensetzung des Kots variierte je nach Standort der Probenahme und Jahreszeit.\\ 
 +Eine Kontrolle der wildlebenden Kaninchenpopulation auf Teneriffa oder in anderen Schutzgebieten sei notwendig, um die bestehende Pflanzenvielfalt zu fördern und zu erhalten. (Hernández-Teixidor //et al//., 2026((Hernández-Teixidor, D., Rodríguez-Arvelo, F., & Alfayate, C. (2026). The endemic shrubland community of Teide National park under threat from the invasive European rabbit: a microhistological approach using faecal samples. European Journal of Wildlife Research, 72(2), 25.)))
  
 <note important>Im Jahresdurchschnitt besteht die Nahrung des Wildkaninchens zu ca. 90% aus frischen, grünen, blättrigen Pflanzenteilen, zu 5% aus Pflanzensamen und zu weiteren 5% aus verschiedenen, pflanzlichen Bestandteilen wie Pilzen, Moosen, Rinden, Wurzeln und Baumnadeln.</note> <note important>Im Jahresdurchschnitt besteht die Nahrung des Wildkaninchens zu ca. 90% aus frischen, grünen, blättrigen Pflanzenteilen, zu 5% aus Pflanzensamen und zu weiteren 5% aus verschiedenen, pflanzlichen Bestandteilen wie Pilzen, Moosen, Rinden, Wurzeln und Baumnadeln.</note>
wildkaninchen/nahrung.1771753576.txt.gz · Zuletzt geändert: von kathrin

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