Kindchenschema

Im Zusammenhang mit der Zucht von Tieren wird häufig das Zuchtziel „Kindchenschema“ genannt. Dieser Begriff geht auf Konrad Lorenz, 19431) zurück, wonach ein Kindchenschema „mit dem Ansprechen mit ganz bestimmten, autonomen und unvergleichbaren Gefühlen und Affekten verbunden, mit einem durchaus spezifischen Erlebnis, dessen Qualität im Deutschen meist mit „niedlich“, „süß“, am eindeutigsten im Süddeutschen mit „herzig“ wiedergegeben wird.“.

Als Merkmale, die eine solche Erlebnisqualität auslösen wurden von Lorenz folgende genannt:

  1. „verhältnismäßig dicker, großer Kopf …,
  2. im Verhältnis zum Gesichtsschädel stark überwiegender, mit gewölbter Stirn vorspringender Hirnschädel,
  3. großes und in Übereinstimmung mit der vorerwähnten Proportionierung tief, bis unter der Mitte des Gesamtschädels liegendes Auge,
  4. verhältnismäßig kurze, dicke und dickpfotige Extremitäten,
  5. allgemein rundliche Körperformen,
  6. eine ganz bestimmte, der Fettschicht des gesunden Menschenkindchens entsprechende, weich-elastische Oberflächenbeschaffenheit.
  7. runde, vorspringende „Pausbacken“, mangels derer sich die Niedlichkeit des Kindchenkopfes stark verringert.“

Als ein Beispiel, welches die Merkmale „niedlich“ und „süß“ erfüllt, wurde von Lorenz auch ganz allgemein das Kaninchen genannt.

(siehe auch Brachyzephalie)

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1)
Lorenz, K. 1943. Die angeborenen Formen möglicher Erfahrung. Zeitschrift für Tierpsychologie, 5(2), 235-409. https://doi.org/10.1111/j.1439-0310.1943.tb00655.x