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wildkaninchen:geschichte

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wildkaninchen:geschichte [2018/10/26 20:54] – angelegt - Externe Bearbeitung 127.0.0.1wildkaninchen:geschichte [2026/02/21 10:07] (aktuell) kathrin
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 ====== Geschichte ====== ====== Geschichte ======
-Nach fossilen Funden wanderte die Vorfahren des Wildkaninchens im Jungtertiär vor ca. 24 Millionen Jahren von Asien nach Europa ein, wurden aber durch vorrückende Eispanzer der letzten Eiszeit(en) aus den nördlichen Teilen verdrängt. Vor ca. 2,6 Millionen Jahren begann die letzte große Klimaänderung mit einer Reihe von Eiszeiten (Glaziale). Die tropischen, gemäßigten Bedingungen wandelten sich zum arktischen Klima mit umfangreicher Vergletscherung. Das Klima während der Übergangsphasen (Interglaziale) zu den Vereisungen war weitgehend feucht und warm, so dass zunehmend Laubbäume die immergrünen Wälder ersetzten. Nach neueren Forschungsergebnissen gab es insgesamt 23 dieser Wechsel zwischen Warm- und Kaltzeiten. Typische Tiere der Eiszeit waren z. B. Mammut, Mastodon (Vorfahren der Elefanten) und Säbelzahntiger, die mit dem Ende der Eiszeit ausstarben. \\+Nach fossilen Funden wanderten die Vorfahren des Wildkaninchens im Jungtertiär vor ca. 24 Millionen Jahren von Asien nach Europa ein, wurden aber durch vorrückende Eispanzer der letzten Eiszeit(en) aus den nördlichen Teilen verdrängt. Vor ca. 2,6 Millionen Jahren begann die letzte große Klimaänderung mit einer Reihe von Eiszeiten (Glaziale). Die tropischen, gemäßigten Bedingungen wandelten sich zum arktischen Klima mit umfangreicher Vergletscherung. Das Klima während der Übergangsphasen (Interglaziale) zu den Vereisungen war weitgehend feucht und warm, so dass zunehmend Laubbäume die immergrünen Wälder ersetzten. Nach neueren Forschungsergebnissen gab es insgesamt 23 dieser Wechsel zwischen Warm- und Kaltzeiten. Typische Tiere der Eiszeit waren z. B. Mammut, Mastodon (Vorfahren der Elefanten) und Säbelzahntiger, die mit dem Ende der Eiszeit ausstarben. \\
  
 In den Warmzeiten war das Kaninchen über ganz Europa verbreitet. Während des Pleistozäns war die nördliche Hemisphäre nahezu komplett mit Eis bedeckt. In dieser Epoche vollzog sich die Evolution des "//Homo sapiens//" - sie entspricht der Kulturepoche der Altsteinzeit (Paläolithikum). Man vermutet, dass sich Busch- und Waldformationen, die sich während der warmen Interglaziale entwickeln konnten, mit einer krautreichen Steppenvegetation während der Glaziale abwechselten, wobei die genaue Zusammensetzung unbekannt ist.\\ In den Warmzeiten war das Kaninchen über ganz Europa verbreitet. Während des Pleistozäns war die nördliche Hemisphäre nahezu komplett mit Eis bedeckt. In dieser Epoche vollzog sich die Evolution des "//Homo sapiens//" - sie entspricht der Kulturepoche der Altsteinzeit (Paläolithikum). Man vermutet, dass sich Busch- und Waldformationen, die sich während der warmen Interglaziale entwickeln konnten, mit einer krautreichen Steppenvegetation während der Glaziale abwechselten, wobei die genaue Zusammensetzung unbekannt ist.\\
  
-Im mittleren Pleistozän verschwanden die meisten exotischen Lebewesen und Arten mit einem nördlichen Ursprung wanderten ein. Die zwei europäischen Unterarten des Wildkaninchens „//Oryctolagus cuniculus cuniculus//“ im südlichen Frankreich mit einem durchschnittlichen Gewicht von ca. 1.500 g und „//Oryctolagus cuniculus algirus//“ in Spanien mit ca. 1.000 g gehen auf einen gemeinsamen Vorfahren zurück, der vor ca. 2 Millionen Jahren lebte. Die Trennung in die zwei Unterarten wurde vermutlich durch die südliche Mindel-Kaltzeit vor ca. 460.000 Jahren beeinflusst((Biju-Duval, C.; Enafaa, H.; Dennebouy, N.; Monnerot, M.; Mignotte, F.; Soriguer, R. C.; El Gaaïed, A.; El Hili, A.; Mounolou, J.-C. 1991. Mitochondrial DNA evolution in lagomorphs: Origin of systematic heteroplasmy and organization of diversity in European rabbits. J Mol Evol. 1991, 33, S. 92-102)).\\+Im mittleren Pleistozän verschwanden die meisten exotischen Lebewesenund Arten mit einem nördlichen Ursprung wanderten ein. Die zwei europäischen Unterarten des Wildkaninchens „//Oryctolagus cuniculus cuniculus//“ im südlichen Frankreich mit einem durchschnittlichen Gewicht von ca. 1.500 g und „//Oryctolagus cuniculus algirus//“ in Spanien mit ca. 1.000 g gehen auf einen gemeinsamen Vorfahren zurück. Die Trennung in die zwei Unterarten erfolgte vor etwa 1,8 Millionen Jahren (durch geografische Isolation((Alda, F., & Doadrio, I. (2014). Spatial genetic structure across a hybrid zone between European rabbit subspecies. PeerJ, 2, e582.))), mit anschließendem hohen Genfluss in beide Richtungen((Carneiro, M., Ferrand, N., & Nachman, M. W. (2009). Recombination and speciation: loci near centromeres are more differentiated than loci near telomeres between subspecies of the European rabbit (Oryctolagus cuniculus). Genetics, 181(2), 593-606.)), und wurde vermutlich noch durch die südliche Mindel-Kaltzeit vor ca. 460.000 Jahren beeinflusst((Biju-Duval, C.; Enafaa, H.; Dennebouy, N.; Monnerot, M.; Mignotte, F.; Soriguer, R. C.; El Gaaïed, A.; El Hili, A.; Mounolou, J.-C. 1991. Mitochondrial DNA evolution in lagomorphs: Origin of systematic heteroplasmy and organization of diversity in European rabbits. J Mol Evol. 1991, 33, S. 92-102)).\\
  
 In den Kaltzeiten lag die durchschnittliche Januartemperatur auf dem Gebiet Mitteleuropas zwischen -14 und -22°C und die im Sommer zwischen +5 und +10°C. In den warmen Phasen der Eiszeiten entsprachen die Klima- und Vegetationsverhältnisse in etwa den heutigen.\\ In den Kaltzeiten lag die durchschnittliche Januartemperatur auf dem Gebiet Mitteleuropas zwischen -14 und -22°C und die im Sommer zwischen +5 und +10°C. In den warmen Phasen der Eiszeiten entsprachen die Klima- und Vegetationsverhältnisse in etwa den heutigen.\\
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 Diese Tiere werden im Mittel nur 741 g schwer((Flux, J. E. C. 1994. World distribution. In: [Hrsg.] H. V. Thompson und C. M. King. The European Rabbit. The history and biology of a successful colonizer. Oxford, New York, Tokyo : Oxford University Press, 1994, S. 8-21)) und sind Abkommen einer Häsin mit ihrem Nachwuchs, die dort im Jahr 1418 ausgesetzt wurde. 27 Jahre später war ihre Zahl so groß, dass die Bewohner die Insel im März 1445 verließen und nach Madeira umsiedelten. Da aber der Domestikationsgrad der Häsin unbekannt ist, bleibt die Frage offen, ob es sich um die Verwilderung eines fertigen Haustieres handelte((Hemmer, H. 1983. Domestikation. Verarmung der Merkwelt. Braunschweig, Wiesbaden : Vieweg & Sohn, 1983. ISBN 3-528-08504-5)). Diese Tiere werden im Mittel nur 741 g schwer((Flux, J. E. C. 1994. World distribution. In: [Hrsg.] H. V. Thompson und C. M. King. The European Rabbit. The history and biology of a successful colonizer. Oxford, New York, Tokyo : Oxford University Press, 1994, S. 8-21)) und sind Abkommen einer Häsin mit ihrem Nachwuchs, die dort im Jahr 1418 ausgesetzt wurde. 27 Jahre später war ihre Zahl so groß, dass die Bewohner die Insel im März 1445 verließen und nach Madeira umsiedelten. Da aber der Domestikationsgrad der Häsin unbekannt ist, bleibt die Frage offen, ob es sich um die Verwilderung eines fertigen Haustieres handelte((Hemmer, H. 1983. Domestikation. Verarmung der Merkwelt. Braunschweig, Wiesbaden : Vieweg & Sohn, 1983. ISBN 3-528-08504-5)).
  
-Bekannt wurde das Porto-Santo-Kaninchen durch Charles Darwin((Darwin, C. 1868. The Variation of Animals and Plants under Domestication. Vol.1. London: John Murray, Albemarle Street)), der vermutete, dass auf der abgelegenen Insel eine neue Art entstanden war. Dies schloss er aus Paarungsversuchen mit mitteleuropäischen Wildkaninchen, welche erfolglos blieben. Nachtsheim, & Stengel((Nachtsheim, Hans und Stengel, Hans. 1977. Vom Wildtier zum Haustier. Berlin, Hamburg : Parey, 1977. ISBN 3-489-60636-1)) wiederholten die Versuche, allerdings mit kleineren Wildkaninchen aus dem Mittelmeergebiet sowie der kleinsten Zuchtrasse, dem Hermelinkaninchen als auch mit Kreuzungen aus beiden. Alle Nachkommen waren voll lebensfähig und fruchtbar, womit die Annahme von Darwin als widerlegt angesehen werden konnte.\\ +Bekannt wurde das Porto-Santo-Kaninchen durch Charles Darwin((Darwin, C. 1868. The Variation of Animals and Plants under Domestication. Vol.1. London: John Murray, Albemarle Street)), der vermutete, dass auf der abgelegenen Insel eine neue Art entstanden war. Dies schloss er aus Paarungsversuchen mit mitteleuropäischen Wildkaninchen, welche erfolglos blieben. Nachtsheim, & Stengel((Nachtsheim, Hans und Stengel, Hans. 1977. Vom Wildtier zum Haustier. Berlin, Hamburg : Parey, 1977. ISBN 3-489-60636-1)) wiederholten die Versuche, allerdings mit kleineren Wildkaninchen aus dem Mittelmeergebiet sowie der kleinsten Zuchtrasse, dem Hermelinkaninchen als auch mit Kreuzungen aus beiden. Alle Nachkommen waren voll lebensfähig und fruchtbar, womit die Annahme von Darwin als widerlegt angesehen werden konnte. (S. 143)\\ 
  
-<imgcaption label5|Schädel eines Wildkaninchens (links) und eines großen, hängeohrigen Kaninchens (rechts); aus Darwin, C. (1868); bearbeitet>{{ anatomie:Darwin_1868_rabbit_skulls.png?250}}</imgcaption>Charles Darwin verglich auch die [[anatomie:Anatomie|Anatomie]] von Wild- und Hauskaninchen in Bezug auf die Proportionalität von körperlichen Veränderungen, die sich durch die Domestikation ergeben, so z. B. die Proportionen der Schädel von Wildkaninchen und größeren Hauskaninchen. Das ist deshalb interessant, weil es heute Bestrebungen gibt, bestimmte Erkrankungen auf Deformationen des Schädels abzuleiten, die sich durch die Zucht von [[zwergkaninchen:Zwergkaninchen|Zwergkaninchen]] ergeben hätten. Sowohl die Untersuchungen von Charles Darwin wie auch aktuelle Arbeiten konnten dafür keinen Beleg liefern.\\ +<imgcaption label5|Schädel eines Wildkaninchens (links) und eines großen, hängeohrigen Kaninchens (rechts); aus Darwin, C. (1868); bearbeitet>{{ anatomie:Darwin_1868_rabbit_skulls.png?250}}</imgcaption>Charles Darwin verglich auch die [[anatomie:Anatomie|Anatomie]] von Wild- und Hauskaninchen in Bezug auf die Proportionalität von körperlichen Veränderungen, die sich durch die Domestikation ergeben, so z. B. die Proportionen der Schädel von Wildkaninchen und größeren Hauskaninchen. Das ist deshalb interessant, weil es heute Bestrebungen gibt, bestimmte Erkrankungen auf Deformationen des Schädels abzuleiten, die sich durch die Zucht von [[hauskaninchen:zwergkaninchen|Zwergkaninchen]] ergeben hätten. Sowohl die Untersuchungen von Charles Darwin wie auch aktuelle Arbeiten konnten dafür keinen Beleg liefern.\\ 
  
 Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das Wildkaninchen ursprünglich aus Asien nach Europa einwanderte, durch die Eiszeiten in südliche Gebiete Europas zurückgedrängt wurde und während den Interglazialen Gebiete zurückeroberte, die als Nahrung eine krautreiche Vegetation aufwiesen. Spätere Haltungen von Kaninchen zeigten immer wieder, dass bei einem Nahrungsangebot, welches nicht dem von Wildkaninchen entsprach, Einbußen an Gesundheit und Fertilität hingenommen werden mussten. Die natürliche Ausbreitung nach den Eiszeiten erfolgte bis nach Frankreich. Hier waren es vor allem Mönche in Klöstern, die eine Domestizierung vorantrieben und für eine weitere Verbreitung des (Wild-)Kaninchens sorgten, indem Tiere nach England und Deutschland weitergegeben wurden. Entwichene Tiere dürften zu einer weiteren Verbreitung geführt haben. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das Wildkaninchen ursprünglich aus Asien nach Europa einwanderte, durch die Eiszeiten in südliche Gebiete Europas zurückgedrängt wurde und während den Interglazialen Gebiete zurückeroberte, die als Nahrung eine krautreiche Vegetation aufwiesen. Spätere Haltungen von Kaninchen zeigten immer wieder, dass bei einem Nahrungsangebot, welches nicht dem von Wildkaninchen entsprach, Einbußen an Gesundheit und Fertilität hingenommen werden mussten. Die natürliche Ausbreitung nach den Eiszeiten erfolgte bis nach Frankreich. Hier waren es vor allem Mönche in Klöstern, die eine Domestizierung vorantrieben und für eine weitere Verbreitung des (Wild-)Kaninchens sorgten, indem Tiere nach England und Deutschland weitergegeben wurden. Entwichene Tiere dürften zu einer weiteren Verbreitung geführt haben.
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